Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 33 (1921)
- Issue
- 4 (6.1921)
- Date
- 1921-06-01
- Page
- Seite 21 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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V -;h': 21 / ' V irrenden ist nicht zu (überblicken. Die wahhwitzigisten Greuel wurden an Männern und Fraueni, an Greis’en und Kindern verübt. So durften .während des1 mehrtägigen. Judenschlachtens in Pros'kurow die Leichen nicht bestattet Werden und die raartervolle Nj edermetzelüüg wurde um 6 Uhr abends' durch das Konzert einer Musikkapelle beendet. Anläßlich der berüchtigten „Aprilpogrome“ wurden 40 jüdische Städtchen vollkommen aus- . geschlachtet und die Bedauernswerten,, welche auf Dampfern zu entkommen suchten, ertränkt. Väter haben große Summen gezahlt, damit ihre Söhne nicht 'zu Tode gefoltert:, sondern bloß — ersehossen werden und haben der Erschießung1 beiwöbneh 'müslsen. Eltern wurden gezwungen!, ihre Kinder lebendig zu begraben, und Mütter, das Blut geschlachteter Säuglinge zu x trinken. ■ , Aber während1 man anläßlich der Karlsbader Welthilfskonferenz hoffte, daß das Maß der Leiden auf dem blutgetränkten Boden der Ukraine erschöpft sei, wurde das Morden und Foltern noch. bis' in die allerjüngste Zeit fortgesetzt. So haben im verflossenen Herbst die entmenschten Horden des Generals BalädhowiCz im ukrainischen Grenzgebiete 150 jüdische Ortschaften heimjgjesucht. Zerstörte jüdische Siedlungen, ‘ unzählige Grläher 'zu Tode gefolterter Juden jedes Alters1, hferumirrende hungernde Witwen und Waisen, venerisch' kranke geschändete Mädchen und Frauen im1 Alter von 12 bis 50 Jahren, in Elendquartieren verkommene üeberlebende, geschändete, zerfetzte Thörarollen Sind die Hinterlassenschaft dieses „Feldzuges1“. Die Toten sind erlöst, aber von den drei Millionen ukrainischer Juden, die zu, dem besten jüdischen Menschenschlag! gehören, ist die Hälfte völlig ruiniert, die ganze Jndenheit des Landes' von Epidemien, insbesondere Flecktyphus, heimgesucht. Und noch immer sind die jüdischen Ortschaften in der Ukraine wehrlos den Massakers der Ständig' sich' neubildenden Banden ausgesetzt! Und nun denke man an die überlebenden jüdisbhen Kinder! Na!ch einer ob erflächlichen Zählung: sind mehrere Hunderttaus sende jüdischer Waisen zurückgeblieben! Die Qualen dieser unschuldiglen, hilflosen Geschöpfe, auf deren kurzem Erdendasein entsetzliches Erleben lastet, schreien zum Himmel! Die Kindersterblichkeit ist enorm, ganze Städte und Ortschaften stehen ohne einen (einzigen Arzt da. Hunger, Kälte, Schmutz, Krankheit und Obdachlosigkeit sind das "Los dieser elternlosen, Von den durchlebten Schrecknissen für immer gezeichneten Unmündigen. Aus ihnen Berufen gerissen, dem neuen Wirtschaftssystem nicht gewachsen, täglich am Leben bedroht, flüchten nun die überlebenden ukrainischen Juden seit dem Winter 1920 über i