Mannheim
Compact Memory

Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1921-06-01 · 4 (6.1921) · p. Seite 20

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
33 (1921)
Issue
4 (6.1921)
Date
1921-06-01
Page
Seite 20 (sequence 20)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/9756662-9604780-9604781--2658-9604801
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

20 Der Numerus clausus. Auf dem letzten christlicbso'zial en Parteitag wurde der Antrag der Salzburger Delegierten, an den österreichischen. Uni- ^.vers'i täten den Numerus clajisus für jüdische Hörer einzuführen., angenommen. — Ohne die von den Jüdischnationalen geleistete Vorarbeit, welche die Errichtung besonderer jüdischer Volks-, Mittel- und' Hochschulen verlangen, hätten die Christlichsozialen kaum den Mut zu dieser kulturfeindlichen Resolution aufgebracht. Die Galgen des Herrn Stöcker. Im letzten Hefte der „Monatsschrift“ haben wir eine Strafanzeige unseres Rechtsschutzbüros an die Grazer Staatsanwaltschaft gegen den ehemaligen Abgeordneten Stöcker publiziert, weil derselbe in einer Versammlung der deutsehösterreichisehen Bauernpartei zu Gralz Zu einem Pogrom aufgefordert und hjehe: die Worte gebraucht hatte: „So ein Pogrom braucht nicht einmal allzu blutig zu verlaufen; denn Wenn auch nur ein Dutzend Juden einmal auf den Laternenpf äfeie n baumeln, dann verschwinden die übrigen 300.000 von selbst nach Galizien und Ungarn, woher sie gekommen sind.“ Die. Staatsanwaltschaft Graz hat unserer Anzeige Folge gegeben und die strafgerichtliche Untersuchung gegen Herrn Stöcker auf Grund des § 302 St. G. gingeleitet. In den Organen des! Bauernbundes und anderer antisemitischer Blätter erbebt sich darob ein WutsChrei, der uns ebenso kalt läßt wie die daran geknüpften Drohungen. Das Martyrium der ukrainischen Juden. Anfraf an die österreicMsche Jsdenscliaft. Her Anlaß dieses1 Aufrufes ist selbst in der alten jüdischen Leidensgeschichte so unerhört, das Unglück, zu dessen Linderung wir auffordern, so unermeßlich, daß alle Ausdrucksmittel versagen. Es handelt sich um das Martyrium der ukrainischen Juden und seine katastrophalen Folgen. * Nur einige Daten: Den zwölfmaligeil Wechsel der Macht in der Ukraine mußten die Juden mit entsetzlichen Pogromen büßen. Nach einer Statistik, die der jüdischen Welthilfskonferenz zu Karlsbad (Sommer 1920) vertag, wurden innerhalb vierzehn Monaten nicht weniger als 568 Ortschaften der Ukraine von den bis'nuii blutigsten JudepmassakerS1 der Weltgeschichte betroffen. Nach den Pogromen iiti Frühjahr und Sommer 1910 zählte man 138.000 jüdische Leichen. Die Zahl der Kranken, Verstümmelten, Mißhandelten, in den großen Wäldern Herum-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.