Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 33 (1921)
- Issue
- 4 (6.1921)
- Date
- 1921-06-01
- Page
- Seite 22 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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22 die Grenzein Besüarabiens und der polnischen Randgfebiete., Auf verborgenen Wegen, (über nachtbedeckte Felder und durch' fipStere Wälder ziehen die Scharen verzweifelter Menschen und verlassen die Heimat, die sie unendlich geliebt und die ihnen zum Fluch geworden ist. Hinter ihnen Ströme jüdischen Blutes, Tod und Verderben, vor ihnen die Grenze, über welche sie aus der Hölle entfliehen. So sind bisnun 25.000 Flüchtlinge nach' Rumänien und 35.000 dieser Entwurzelten nach den polnischen Gebieten geströmt und harren buchstäblich nackt und aller Mittel entblößt, noch am Wege mißhandelt und ihrer letzten Habe beraubt, in unhyjgienischen Massenquartieren zusammengepfercht, der Weiterbeförderung, der sich unendliche Schwierigkeiten entgegenstellen. Hinter ihnen aber drängen neue Massen, welche trotz der unsäglichen Schwierigkeiten der Flucht, und der tausend Gefahren hüben und drüben die bald nicht mehr aufhahnrsfähägen Gebiete überfluten werden. 'Zehntausend jüdische Waisenkinder leben in dem zu Holen gehörigen Wolhynien. Unter ihnen Hunderte, die sich erst vor kurzem - herübergerettet hüben. Eine kleine Zahl nur ist mit Hilfe der amerikanischen Judenheit in Waisenhäusern untergebracht, ein kleiner Bruchteil befindet sich m Privalpflege. Die große Maste© der anderen harrt, von Hunger und Verwahrlosung bedroht, der Hilfe der jüdischen Weit. Wohl haben die kanadischen und argentinischen Juden sich bereit erklärt, vorläufig einige hundert Waisenkinder zu adoptieren, aber nur die vereinte Hilfe der Juden aller Länder kann das Los dieser verlornen Generation' lindern. In Kanada beteiligten sich auch Christen an der Rettungsaktion und ein edler christlicher Greis, Mr. Fa r r a, fr, nimmt an der europäischen Mission teil und ist infolge der Strapazen der Reisen im Osten schwer erkrank I. Die Juden der'ganzen Welt dürfen hinter dem beispielgebenden Wirken dieshs nicht]üidisdien Kanadiers.nicht Zurückbleiben. Audi die Juden in jenen Gebieten, welche von FlüchfJingen erfüllt teind, leisten Menschenmöglichstes, trotzdem das Wirtschaftsleben dort noqjhJ an den Wunden der letzten Schreckensjahr© krankt und trotzdem ihr Geld einen noch’ geringeren Wert hat als das unsere. Sind sie doch ein Teil jener ukrainischen Juden, welche, als* die russischen Armeen Galizien ünd die Bukowina besetzt hätten, ein großzügiges Hilfswerk für die notleidende Judens'dhäft in Feindesland eingerichtet und in zartfühlender Weise zur Rettung' von Zehntausenden be.igetragen haben. Das amerikanische Hilfswerk, welches in der ganzen Welt so viel Judenleid zu lindern hat, unterstützt auch diesmal die Flüchtlinge, jedoch ist ete außerstande, allen Bedürfnissen gerecht zu werden. Die amerikanische Judenheit fordert auch