Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 33 (1921)
- Issue
- 4 (6.1921)
- Date
- 1921-06-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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) 9 ■vaterlandsfei ndli che Treiben Und, 'getreu unserem' stets^ betätigten Grandslatze, daß unser Rechtsschutz niemals ein Schutz des Unrechtes Werden dürfe, verdammen wir es doppelt, wenn es von Juden geübt wird. Auch wir wünschen die .racksichtslose Ahndung, dieses1 Frevels mit der vollen jäcliärfe des Gesetzes ohne Ansehung der Person, des Standes und des Religionsbekenntnisses. Es muß eine scharfe Grenzlinie gezogen werden zwischen denen, welche die'Not des Vaterlandes zur Ausbeutung! der Bevölkerung1 mißbrauchen, und denen, die mit patriotischer Hingebung und Treue, mit Gut und Blut, ja oft mit dem Einsätze ihrer bürgerlichen Existenz zum Siege unserer Waffen beitragen. Es muß aber auch ausgesprochen werden, daß diese Grenzlinie unheilvoll verschoben würde, wenn aüs der Masse der .Kriegsspekulanten nur einzelne Gruppen Jierausge,- griffen, über andere dagegen in schlecht angebrachter Schonung der Schleier (des)'Schweigens gebreitet würde. Ein solcher Vorgang widerspräche Idem von Eurer Exzellenz neuerlich mit allem Nachdrucke betonten Grundsätze, daß Recht Recht bleiben müsSe.“ — Wir sind bei dieser akademischen Betonung! unseres Standpunktes (nicht stehen geblieben, sondern haben, durch sorgfältige statistische F e s t s t e 11 u n g e n den Nachweis) erbracht, daß die Zahl der Wegen Rriegswuchers, Preistreiberei und Kettenhandels von den Gerichten und Gewerbeämtern verurteilten Juden weit hinter dem perzentuellen Verhältnisse der jüdischen zur christlichen Bevölkerung zurackblieb. Im Auf trage des! Zentralkomitees zur Wahrung der staatsbürgerlichen Interessen der Juden in den Kriegsgebieten und mit Genehmigung des damaligen Ministerpräsidenten und des Armeeoberkommandos hat ,unser Sekretär während des Krieges zwei große Reisen nach dem rassisch-polnischen Okkupationsgebiete! unternommen und daselbst * eine wesentliche Erleichterung der I^age unserer dortigen Glaubensbrüder erwirkt. Im gleichen Aufträge unternahm 'Unser Sekretär eine Reise nach Rumänien, wo es ihm gemeinsam mit dem Delegierten der „Allianz“ gelang, noch in letzter Stunde eine Aenderung wesentlicher Be- -v Stimmungen des (eben in der rumänischen Kammer verhandelten Judengesetzes zugunsten der rumänischen Juden durchzusetzen.. Mit der im April 1918 erfolgten Begnadigung Leopold H i 1 s n e r s, Welche unmittelbar nach einer diesbezüglichen Aussprache Ider Herren Dr. Julius Ofner, Dr. Jacob "0 r n s t e i n und /Sekretär Fleischer mit dem damali gen “Justizminister Dr. Schauer verfügt wurde, hat der nahezu 20 jährige Kampf der Union um die Befreiung dieses schuldlosen Opfers 'des Ritual-Mordwahnes .Sein erfolgreiches Ende gefunden. Unsere Bemühungen um die Wiederaufnahme dieses für die altüsterreichiscWe Justiz so schmachvollen Prozesses sind aller-