Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 32 (1920)
- Issue
- 2 (6.1920)
- Date
- 1920-06-01
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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A4 *, Wir wollen hier nur auf eines hinweisen: Der große Lehrer Rabbi Akiba war von der Persönlichkeit des Kriegshelden Simon Bar Kochba so sehr geblendet, daß er von ihm gesagt: „Das ist der König Messias.“ Darauf hat Rabbi Jochanan ben Tlbsta bitter entgegnet: „Akiba, es werden Gräser durch deine Kinnbacken sprießen und der Mes’sias wird noch immer nicht gekommen sein!“ (Midrasch Echa rabba II, 4.) Bald darauf hat sich gezeigt, daß an dem Manne seinem Volke kein leuchtender Stern, dafür aber ein Bar Kosiba, eine Truggestalt aufgegangen war. Die Moral der Geschichte Ist: Heil und Förderung dem ethischen und philanthropischen Zionismus, Nüchternheit anstatt Nationaljudentum 1 Welch eine Fülle von Nebelgebilden leider in den Zionismus hineingietragen werden, zeigt am hegten die Behauptung, daß nun Gott endlich das jüdische Volk in das verheißene Land führen wird und daß die Stunde der Erlösung dafür gekommen. Ist es schon sehr unbesonnen, die Verheißung einer Regierung, die über Nacht verschwinden kann, mit der einstigen göttlichen identisch zu halten, ist es' ein Unsinn, selbst auf eine noch so große, doch immerhin wie alles auf Erden ver: änderliche politische Macht sö fest zu bauen, ist es sehr unklug, der Gewalten^ die der Sache mehr oder minder feindlich entgegenstehen, zu vergessen, ist es eine arge Verblendung, zu übersehen, daß das Gros' Rer Judenheit schon aus Pflichtgefühl andere Arten des! Patriotismus' als den englischen, ja nicht selten einen jenem entgegengesetzten zu hegen, auch ferner gehalten sein wird, so ist es darüber noch geradezu lächerlich, von einer für das jüdische Volk gekommenen Stunde der Erlösung zu reden, in einer Zeit, wo Not jmd Elend, Roheit’ und Bosheit, Unkultur und Gottlosigkeit, Laster und Verkommenheit von hüben ünd drüben einander isb in die Hände arbeiten und einander fördern, wie in der gegenwärtigen! Die Stunde der Erlösung kann für Israel sowie für die Menschheit überhaupt; erst nach tiefgreifenden Erfolgen einer auf Veredelung des' Gemüts und Innenlebens gerichteten Erziehung folgen. Alle intellektuellen Kräfte zusammenfassen, um eine solche im jüdischen Volke in rationeller Weise anzubahnen, ein Zionismus im Sinne des Propheten Jesaia ist die einzige Richtung, der Schlüssel zur Eröffnung des Erlösungsproblems. Wenn wir ernstlich daran gehen, wird man sich auch auf anderen ■Seiten darauf besinnen, wieviel man vor den eigenen Türen zu kehren hat und werden uns die besseren Elemente der Menschheit für die richtige Auffassung der Sachlage Anerkennung zubilligen. Leopold Mandl. Horn, 25. Mai 1920.