Mannheim
Compact Memory

Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1920-06-01 · 2 (6.1920) · p. Seite 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
32 (1920)
Issue
2 (6.1920)
Date
1920-06-01
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/9756662-9604760-9604761--2629-9604773
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

12 Christen und Mohammedaner, ein Objekt der religiösen Sehnsucht der Epigonen der Kreuzfahrer und der nicht minder fanatischen Streiter des Islam. Da könnte es, höchstens' zutreffen, daß alle entwurzelten Elemente der Judenheit, die endgiltig Heimat und Vaterland verloren haben, darin eine dauernde Heimstätte fänden und somit auf diesem Boden eine kleine Nation entstünde. Das Neu-Istael von des britischen Reiches Gnaden könnte im allergünstigsten Falle den vierten Teil der Ges'amtjudenheit ümfas'sen. Es könnte demnach auch bei einer Erfüllung der kühnsten' Träume von einer Rückkehr des jüdischen Volkes in das verheißene Land nicht die Rede sein, geschweige denn von seiner Erlösung. „Wo Gedanken fehlen stellt zur rechten Zeit ein Wort sich ein.“ Leider ist dies auch mit dem *von vielen Zionisten gebrauchten Worte „National“ und sogar zur Unrechten Zeit der Fall. Daß Leute, die mehr keiner politischen Gemeinschaft ihrer Geburtsländer zugehörig, sich als Angehörige der jüdischen Nation bezeichnet haben und daß man in der Hitze der Agitation, im Hinblicke auf das Zfel der zionistischen Bestrebungen die Bezeichnung Nation für das Israelitenvolk vorweg genommen, ist entschuldbar, wenn auch damit sehr fehlgegriffen wurde. Anders ist es, wenn es sich um den Gebrauch des Wortes in seinem eigentlichen Sinne, um den Ausdruck der Beziehung zu einer politischen Gemeinschaft handelt, die es weit prägnanter bezeichnet, als das W-ort Volk; da muß man, wenn nicht leereiß Geschwätz oder Unrichtiges herauskommen soll, wohl achtgeben, was man damit sagt. Leider hat man in zionistischen Kreisen mit dem Worte „‘Nation“ so lange gespielt, bis sich in den Köpfen der Urteilslosen der Wahn festgesetzt hat, die über die ganze Erde zer- StTeuten Juden seien eine. Nation 'und, von jdiester Selbsi Suggestion ergriffen haben, schließlich auch führende Persönlichkeiten sich .von dem Phantom verleiten lassen. In Wahrheit haben die Juden schon vor achtzehnhundert Jahren aufgehört eine Nation zu sein. Seit dem schauerlichen Unglücke, das durch die Schilderhebung des Bar Kochba über die Judenheit hereingebrochen, sind die zerstückelten Glieder Israels überall für eine Eigenpolitik zu schwach und daher gehalten, sich den Nationen, in deren Mitte sie Existenz und Schutz finden, in allen weltlichen Dingen aufs treueste anzuschließen. rsacn der überaus traurigen Erfahrung, die das jüdische Volk mit einem überhitzten Nationalismus zu Zeiten Kaiser Hadrians gemacht 'hat, war 'fes überall bestrebt, sich an den Rat des Propheten Jeremias zu 'halten, das Wohl des Landes, in dem man wohnt, zu fördern und in dessen Heil sein eigenes

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.