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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1920-06-01 · 2 (6.1920) · p. Seite 11

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
32 (1920)
Issue
2 (6.1920)
Date
1920-06-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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ir Zur Ernüchterung. Wir stehen unter dem Eindrücke eines großen Ereignisses.. Die Konferenz von San Remo hat beschlossen', die Balfour- Erklärung, welche Palästina als nationale Heimstätte für die Juden bestimmt, in den Friedensvertrag mit der Türkei einzuverleiben. Daran knüpfen sich die noch nicht bestätigten aber sicherlich nicht ausi der Luft gegriffenen Gerüchte: Die Konferenz habe zugesichert, daß die zionistische Fahne über Jerusalem gehißt werden wird, daß man sich schon in einigen Tagen nach Jerusalem begeben wird, um die jüdische Verwaltung zu organisieren und däß ein Jude zum High Cömmissionar von Palästina ernannt zu werden bestimmt ist. Da der Oberste Rat das Mandat über Palästina an England übertragen hat, ist ja auch das leicht möglich. So unfertig und unklar die ganze Sache noch ist, kann man schon jetzt als5 sicher annehimen, daß endlich auf Erden ein freier Punkt vorhanden sein wird, von dem der heimatlos gewordene Jude-, Wenn er ihn erreicht, sagen kann: „Hier bin und bleibe ich Zu Hause,“ Der menschlich und religiös treufühlende Israelit hätte somit Ursache,, sich der überraschenden Erfolge der zionistischen Bewegung zu freuen, auch wenn ihm die in ihr sich an die Oberfläche drängende luftig-natilonale Richtung mißfällt. Leider wird dem Klardenkenden die Freude an dem wichtigen Ereignisse vergällt, wenn er sieht, wie eine irrtümliche Auffassung desselben das Heil in Unheil zu verwandeln droht. Ein alter ehrwürdiger Rabbiner hat in einem vor der offenen Bundeslade verrichteten Gebete, darauf hinweisend, dem Allmächtigen, gedankt, „der nun endlich das jüdische Volk in das verheißene Land führen wird“. Anläßlich desselben Dankgottesdienstes sind dem beredten Munde des frommen Greises auch folgende Worte entfahren: „Und voll Stolz und Dankbarkeit ,'sbllen wir die heutige große Zeit empfinden und besonders die ältere Generation, dienoch diese Stunde der Erlösung des jüdischen Volkes grleben durfte, kann dies mit freudiger Genugtuung erfüllen.“ Das sind gutgemeinte, aber alles nur keine nüchternen, der wahren Sachlage entsprechenden Worte, und so unklar wird über die Aufnahme der Balfour-Erklärung in dem Friedensvertrag mit der Türkei überall gedacht, wo das sogenannte Nationaljudentum mit der Messiasidee spielt. Versuchen wir, uns dem größten Optimismus hinzugeben und nehmen wir an, daß sich die nichtjüdische Bevölkerung Palästinas, welche gegenwärtig die sechsfache Zahl' der jüdischen Einwohnerschaft ausmacht, nicht vermehrt, sondern das. Zahlen Verhältnis Zwischen Juden und Nichtjuden das u umgekehrte wird. Es bleibt dann noch immer das heilige Land der-

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