Mannheim
Compact Memory

Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1914-07-01 · 7/8 (Juli/August 1914) · p. Seite 19

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
26 (1914)
Issue
7/8 (Juli/August 1914)
Date
1914-07-01
Page
Seite 19 (sequence 24)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/9756662-9604663-9604713--2589-9604734
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

19 Abraham Gutmann mit dem bayerischen Militär-Verdienstkreuz 2. Klasse. Chinawie Afrika-Kriegsfreiwillige jüdischen Glaubens rekrutierten sich aus allem Teilen Deutschlands. Da die Liste möglichst vervollständigt werden soll, richtet der Deutsch-Israelitische Gemeinde bund an seine Bundesgenossen sowie an die staatlichen Behörden für jüdische Angeelgenheiten nunmehr die Aufforderung, den „Zentralverein“ bei diesem Vorhaben zu unterstützen. Berlin. (Erschwerung der jüdischen Einwanderung nach Deutschland.) Eine Berliner jüdische Korrespondenz meldet, daß im rheinischen Industriegebiete zukünftig keine jüdischen, Alttrödler und Händler aus Galizien und Kußland mehr zugelassen werden. Die bereits dort ansässigen sollen ausgewiesen werden. St. Petersburg. (J ud enverfolgunge n.) Abermals kommen verschiedene Nachrichten von Judenausweisungen innerhalb des russischen Reiches. So sollen laut Anordnung der Polizei im Laufe von sieben Tagen 29 jüdische Familien die Ortschaft Radoschtsc'he (in der Nähe von Lodz) als Nichtwohnberechtigte verlassen, so sind aus dem Kurort Druskeniki viele jüdische Familien ausgewiesen, so finden überhaupt Massenausweisungen aus den polnischen Gebieten statt, und auch in Petersburg sind 90 Juden, weil sie sich angeblich nicht mit ihrem Handwerk befaßten, auf die Proskriptions - liste geraten. Von prinzipieller Bedeutung ist aber die Bestimmung, welche das Ministerium des Innern betreffs der südrussischen Stadt Nikolajew getroffen hat. Hatte doch um das Wohnrecht der Juden in dieser Stadt Jahre hindurch ein schwerer Kampf getobt. Die Beschränkungen, welche einstmals für. Nikolajew erlassen waren, hörten allmählich auf und vor sieben, acht Jahren spürten die Juden dieser Stadt kaum noch, daß auch ihr Domi'zilort den Gebieten außerhalb des Ansiedlungsrayons gleichgestellt sei. Allmählich war die Tatsache in Vergessenheit geraten, daß es in Nikolajew ein Ausnahmerecht für die Juden gebe. Als aber vor etwa vier Jahren die schlimmsten Repressalien gegen die Juden einsetzten, da begannen auch hier die endlosen Schikanierungen. Schließlich hatte dann die Petersburger Zentrale darüber zu entscheiden, wie weit die Ausnahmebestimmungen (noch heute Giltigkeit haben. Ueber Tausenden von- Juden schwebte so längere Zeit das Damoklesschwert der Ausweisung. Nun soll dies Schwert gemäß Entscheidung des Ministeriums niedersausen. Da wird es zweifellos eine Menge neuer Tragödien geben, deren Intensität! aber erst allmählich zum Vorschein kommen wird. In der letzten Zeit mehren sich auch die administrativen Bestrafungen und Schikanierungen als Folge der bestehenden Wohnrechts-' beschränkungen. Die Polizei deutet die Gesetze mit einer Willkür, die oft an Sinnlosigkeit grenzt. Kürzlich wurden jüdische Feldarbeiter mitten in der Arbeit aus den Feldern verwiesen, weil laut Gesetz das Wohnen außerhalb der Städte und Flecken den Juden untersagt sei. Vergebens wiesen die Betroffenen darauf hin, daß sie sonst in der Stadt wohnten und nur zur Arbeit aufs Feld gingen. Die Be-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.