Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 26 (1914)
- Issue
- 7/8 (Juli/August 1914)
- Date
- 1914-07-01
- Page
- Seite 18 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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18 Korrespondenzen. Innsbruck. (Aus der israelitischen Kultusgemeinde.) Dieser Tage beging der Privatier Herr Louis Bau er seinen 70. Geburtstag. Aus diesem Anlasse wurde derselbe von der israelitischen Kultusgemeinde, deren langjähriges Vorstandsmitglied und Präses-Stellvertreter er ist, korporativ herzliehst beglückwünscht. Der Präses Dannhäus1.er teilte dem Jubilar hiebei mit, daß der Kultusrat einstimmig beschlossen habe, ihn mit Rücksicht auf seine vielen, langjährigen Verdienste, insbesondere als 30jährigen Verweser des Armenamtes zum Ehrenmitgliede 'zu ernennen. Sodann wurde dem Jubilar das hübsch ausgearbeitete Diplom überreicht. Herr Louis Bauer, ein gebürtiger Wiener, kam vor 46 Jahren nach Innsbruck und gründete mit seinem Vater die Pirma „Josef Bauer und Sohn“, die sich aus bescheidenen Anfängen 'zu einer der bedeutendsten Pinnen des Platzes emporgearbeitet hat. Eger. (Hausfrauenorganisation und Judenfrage.) Hier hat sich eine Ortsgruppe der Reichs-Hausfrauenorganisation gebildet, der sofort 150 Prauen beitraten. Bei der letzten Versammlung stand u. a. das Anbot einer jüdischen Pirma wegen Lieferung von billigen Lebensbedürfnissen 'zur Verhandlung. Die im1 Vorstände befindliche Prau V e llh'orn vertrat nun den Standpunkt, daß nur arische Lieferanten in Betracht gezogen werden dürfen. Dem widersprachen die jüdischen und auch' einige arische Mitglieder, und es kam zu einer lebhaften Debatte, die damit endete, daß Frau Vellhorn mit ihrem Anhang die Versammlung verließ. Berlin. (Jüdische Kriegsfreiwillige.) Wie schon bei früherer Gelegenheit, hat auch bei den letzten Reichstagsdebatten über den systematischen Ausschluß von Juden aus dem Reserveoffizierkorps ein antisemitischer Abgeordneter die Angabe des Abgeordneten Müller- Meiningen, daß Juden als Kriegsfreiwillige auch an den Feldzügen in Südwestafrika und China teilgenommen haben, bezweifelt und bestimmte Zahlen- und Namenangaben verlangt. Diesem Wunsche des antisemitischen Zweiflers kann nunmehr, wie das „Hamburger Jsraelitische Pamilienblatt“ mitteilt, entsprochen werden. Der „Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens“ veröffentlicht in Nr. 86 der Mitteilungen aus dem „Deutsch-Israelitischen Gemeindebund“ eine Namensliste der bisher von ihm festgestellten Juden, die als Freiwillige an der Expedition nach China und an den Kolonialkriegen (Herero-Feldzug) teilgenommen haben. Obwohl die Liste keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt und insbesondere auch alle diejenigen jüdischen Soldaten außer Berechnung läßt, die sich1 als Freiwillige gemeldet haben, aber aus irgend einem Grunde zurückgewiesen wurden, werden als Kriegsteilnehmer in China 40 Mann, als Teilnehmer an den Afrikakriegen 39 auf geführt, von denen mehrere, so Leutnant Bendix, Opfer des Feldzuges blieben, andere dekoriert wurden, so u. a. der ünteroffiziiel*