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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1914-07-01 · 7/8 (Juli/August 1914) · p. Seite 15

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
26 (1914)
Issue
7/8 (Juli/August 1914)
Date
1914-07-01
Page
Seite 15 (sequence 20)
Language
German
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15 von Husiatyn Herrn Reinold beim Strafgericht wegen Ehrenbeleidigung belangt. Die Verhandlung in dieser Sache hat jedoch noch nicht stattgefunden. Daß dieser Vorfall kein zufälliger war, beweisen nachfolgende Tatsachen: In Husiatyn werden keine Wochenmärkte abgehalten und nur einmal im Jahre, am Tage des heil. Antonius1 (13. Juni), findet ein Jahrmarkt statt. Dieser Markt ist für den jüdischen Kleinkrämer von größter Wichtigkeit, weil hiebei die ganze Landbevölkerung im Umkreise von 5 Meilen ihre Bedürfnisse für das ganze Jahr besorgt. Es ist daher von altersher üblich',, wenn der Tag des heil. Antonius auf einen Samstag fällt, den Markt auf Sonntag 'zu verlegen und an diesem Tage die Sonntagsruhe aufzuheben. So, hofften die jüdischen Kaufleute, werde es auch in diesem Jahre sein. Aber Herr Reinold verbot, trotz mehrfacher Bitten der hiesigen Kaufmannschaft, am 14. Juni, an dem der Markt abgehalten werden sollte, die Sonntagsarbeit und Punkt 10 Uhr vormittags erschienen über seinen Auftrag in allen Straßen Gendarmen, die die armen Juden, welche mit ihrer Ware am Markte standen, zur Bestrafung vormerkten. In Husiatyn besteht die überwiegende Mehrheit des Gemeinderates aus Juden und auch der Bürgermeister ist Jude. Als nun kürzlich der Bürgermeisterposten frei wurde, wollte Herr Reinold, daß die Juden seinen Schützling, einen antisemitischen Allpolen, zum Bürgermeister wählen, und als dies nicht geschah, hintertrieben die Polen die Wahl eines Juden, indem sie die Sitzung mehrfach beschlußunfähig machten. Herr Reinold beantragte nun bei der Statthalterei in Lemberg die Auflösung des Gemeinderates und die Einsetzung eines Regierungskommissärs. Es ist sehr zu befürchten, daß die Statthaltern diesem Anträge stattgeben werde und daß Herr Reinold zum Regierungskommissär designiert wird. Judenhetzen in der Schule. Am 4. Juni wurde dem Ortsschulrat Hohenau (Niederösterreich; folgende Beschwerde vorgelegt: „Während der katholischen Religionsstunde unter dem hiesigen Pfarrer sagte dieser zu den Kindern: „Setzet euch ja nicht auf einen Platz, wo stinkende jüdische Kinder gesessten, denn der Platz, wo diese nur einmal gesessen, ist schon unrein.“ — Die Kinder teilten dies der Lehrerin ihrer Klasse,, Frau Po hin er, mit, da sie glaubten, die Lehrerin müsse den Weisungen des Pfarrers gehorchen; jedoch sagte die Lehrerin, ihr habe der Pfarrer in dieser Beziehung nichts zu schaffen. Ferner sagte der Pfarrer zu den Kindern: „Dasjenige Kind, das ich mit einem Judenkind verkehren oder nur sprechen

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