Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 26 (1914)
- Issue
- 7/8 (Juli/August 1914)
- Date
- 1914-07-01
- Page
- Seite 9 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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9 Die Jadenfrage in Rumänien. Seil dem politischen und militärischen Auftreten Rumäniens im Jahre 1913 hat die Bevölkerung des Königreiches! ein Machtgefühl ergriffen, das sich seither in allen Zweigen des öffentlichen Lebens beättigt, mögen sie dem politischen, militärischen oder wirtschaftlichen Gebiet angehören. Die innere Ausstattung für das jieue Gewand, das die Betätigung in der internationalen Politik geliefert hat,, sollen die im großen Stil angelegten Reformen bringen, welche die neue Regierung durchzuführen im Begriffe ist. Nur eine Klasse der Bevölkerung, die der rumänischen Juden, steht trauernd beiseite. Es ist heute, da die Ziele der liberalen Reformpolitik in großen Zügen bekannt sind, kein Zweifel, daß den rumänischen Juden von all den Neuerungen des wirtschaftlichen und politischen Lebens, die in Aussicht stehen, nichts zugute kommen, daß für sie alles beim alten bleiben wird. Worin dieses Alte besteht, ist dem Ausland in großen Zügen bekannt. Es kennt aber kaum die Einzeilheiten dieser bald 50 Jahre alten Frage, denn sonst wäre es unverständlich, daß es sie in dem entscheidenden Augenblick, den die rumänischen Juden heute durchleben, so gleichgültig behandelt. Die rumänischen Juden haben nichts versäumt, um ihren rumänischen Mitbürgern und dem rumänischen Staate zu zeigen, daß sie treue Söhne des Landes sind, in dem sie geboren sind, dem sie Blut- und Geldsteuer im gleichen Maße wie alle andern entrichten, für dessen wirtschaftlichen Aufschwung sie durch ihren Fleiß mindestens so viel beigetragen haben wie ihre christlichen Mitbürger. Als im Vorjahre der Ruf zu den Waffen ertönte, blieben sie nicht zurück, und selbst die amtlichen Stellen können nicht leugnen, daß ein beachtenswerter Teil der freiwillig zu den Fahnen Eingerückten den rechtlosen, drangsalierten Juden angehörte. Man sprach von der Verbesserung der Lage der Juden, von der Zuerkennung der politischen Rechte an die Mobilisierten, der erste Schwung aber, mit dem diese Angelegenheit unter Führung des damaligen Ministers des Innern, Take Jonescu, in Angriff genommen wurde, erlahmte bald, und sehr rasch konnten sich die rumänischen Juden überzeugen, daß die Begeisterung des Augenblicks ihnen nichts! bringen würde. Wer die jüdische Frage in Rumänien richtig beurteilen will, muß sich die Auffassung der maßgebenden rumänischen Kreise vor Augen halten. Als Europa vor der Anerkennung der Unabhängigkeit Rumäniens auf die Lösüng der jüdischen Frage drang, hatten die rumänischen Gesetzgeber einen spitzfindiger] Einfall. Sie stellen fest, daß es in Rumänien überhaupt keine Juden gebe, sondern nur rumänische Bürger und