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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1914-07-01 · 7/8 (Juli/August 1914) · p. Seite 7

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
26 (1914)
Issue
7/8 (Juli/August 1914)
Date
1914-07-01
Page
Seite 7 (sequence 12)
Language
German
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7 und unverständlich. „Das All (hat Gott geschaffen“ sagt die Bibel, aber wie, wodurch? Und „wenn wir sterben, bleibt die Seele“, aber wo, was vermag sie dann, wie lebt sie weiter? Auf diese und ähnliche Fragen gibt weder die Bibel noch der Talmud ganz zufriedenstellende Antworten. Der Hunger nach Wissen aber wollte befriedigt werden, so entstanden Spekulationen, die diese Rätsel 'zu lösen vermeinten, die aber öffentlich nicht gelehrt wurden, weil sie mit den göttlichen Geheimnissen in g;ar 'zu enger 'Verknüpfung jstanden, auch niedergeSchrieben durften sie nicht Werden, weil ihre Kenntnis nur besonders Würdigen vermittelt werden sollte. Diese Spekulationen wurden also nur durch mündliche Ueberlieferung übertragen, was auf hebräisch Kabbala heißt. Da wären wir nun bei der alten Geheimlehre, der Kabbala, wörtlich also eigentlich „Ueberlieferung“, angelangt, die sich besonders viel mit der geheimen Kraft der Zahlen und Buchstaben beschäftigte, mit der sie auch Rätsel der Schöpfung 'zu erklären vorgab. Darüber wird sich ja keiner wundern, der da weiß, welche Bedeutung Pythagoras' den Zahlen1 beilegt, ja welchen Wert diese — worauf auch Theodor Gomperz in seinen „Griechischen Denkern“ hin weist — in den Systemen Giordano Brunos und August Comtes besitzen. Allmählich1 nahm diese Geheimlehre pythagoräische, neoplatonische, gnostische, persische, ja sogar indische Elemente in sich auf, aber sie blieb lange eine Auszeichnung für wenige Berufene; zu weiteren Kreisen hatte sie keinen Zutritt. Im dreizehnten Jahrhundert nun trat plötzlich und unerwartet eine Wendung ein. Ein Buch war erschienen, das die im Verborgenen spärlich glimmende Glut des Mystischen zur hellen Flamme aufflackern ließ. Das war der auch im Prozesse vielerwähnte „Sohar“: „das Licht“. Der Sohar ist eigentlich ein Kommentar zur Bibel, angeblich von einem! Weisen deiS Zweiten Jahrhunderts verfaßt., der, vom römischen Kaiser Hadrian verfolgt, dreizehn Jahre in einer Höhle verborgen lebte, Wo ihm die größten und heiligsten Geheimnisse offenbart wurden. Das Buch ist (mit So viel Phantasie, so viel Wärme ujndi Gemüt und mit so viel Rhetorik und Farbenreichtum im Ausi druck geschrieben, daß es kein Wunder ist, daß es einen so tiefen Eindruck machen konnte. Freilich ist in ihm nicht alles klar — es Wäre ja nicht Mystik, wenn alles verständlich wäre —, aber was in ihm klar und verständlich ist, atmet eine unendliche Liebe zu Gott, ein Streben nach höchster Erkenntnis1,, und die Aufforderung zu einem vollkommenen sittlichen Leben, mit viel Gebet, viel Andacht und Entsagung. Es1 ist wahrlich wahnwitzig, ein Gebot fürs Blutritual in diesem Buche zu wittern, Welchem auch der berühmte Pico de Mirandola und Egydius von Viterbo den größten Wert zuerkannten, freilich, weil sie

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