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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1914-07-01 · 7/8 (Juli/August 1914) · p. Seite 6

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
26 (1914)
Issue
7/8 (Juli/August 1914)
Date
1914-07-01
Page
Seite 6 (sequence 11)
Language
German
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6 den sittlichen Wert aub zusprechen, weil sich unter ihnen auch1 das Gedicht befindet: „Hänget auf die Könige“? Und wenn jemand ein Liebhaber und Wertschätzer ungarischer Poesie ist, muß dies zugleich bedeuten, daß er auch hiit dem Liede eines* Sinnes1 ist, welches1 besagt, daß wir aus der Haut des: Deutschen eine Sackpfeife machen werden? Stünde die ungarische Nation, unterdrückt und verlassen, von Feinden umgeben, unter der Anklage der Deutschenfeindlichkeit, wie leicht wäre es einem Pranaitis, Folgerungen zu deduzieren, welche die ganze Nation vor den Augen der Welt verhaßt machen könnten! Die Abfassung des Talmud bildet eine bedeutende Epoche in der Rechtsgeschichte der Juden, denn die dort enthaltenen Rechtsnormen errangen sich feste Rechtskraft und gegen diese dürften mehr keine Entscheidungen stattfinden. Das Werk ist auch verhältnismäßig ausführlich, die Lehensverhältnisse, unter denen es entstand, unterscheiden sich nicht wesentlich von denen des Mittelalters, ja teogar der Neuzeit, das letzte Jahrhundert ausgenommen, so daß man mit ihm als Gesetzesgrundlage, sowohl was die rechtlichen Verhältnisse betraf, als besonders in religiöser Reziehung leidlich auskommen konnte. So war das jüdische Leben in religiöser Hinsicht — und fast den größeren Teil dieses Lebens füllte ja die Religion aus — vom Talmud nahezu vollkommen geregelt. Daher studierte man ihn fleißig, fast inbrünstig und das Lebensziel und die Lebensaufgabe der meisten bildete es, seine Lehren zu verstehen und den in ihm festgestellten religiösen Normen zu entsprechen. Die große Masse war nun von diesem Leben mit seinen Alltagssorgen, religiösen Uebungen und Studium des Gesetzes gewiß befriedigt. Wir stellen uns auch das Leben der mittelalterlichen Juden oftmals gedrückter vor, als es in der Tat gewesen sein mag. Denn auch jenes Leben noch hatte seine Freuden, und wo der Geist so reichliche Nahrung erhält, wie der der talmudischen Juden, da kann von einer Verdumpfung* von einer Dürftigkeit des Lebensinhaltes kaum gesprochen werden. Jedoch gab es Geister, die sich mit diesem Lebens'pensurri nicht begnügen mochten. Denn die Religionsübung wird allmählich Zum Schema und die Geistesarbeit des Gesetzesstudiums wird schließlich Zur formalistischen, logischen Tätigkeit, welche nicht nur das Gemüt leer ausgehen läßt, sondern auch den Geist nicht voll befriedigt, weil sie ihn in bezug auf die größteh Fragen des Denkens, auf den Ursprung und das Werden, auf das Sein und Nichtsein im Dunkeln herumtappen läßt. „Woher ist das All; was ist unsere Stellung zu ihm und was geschieht mit uns, wenn wir nicht mehr sind?“ Freilich antwortet die Religion auf all diese Fragen, nur sind diese Antworten zu knapp

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