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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1914-07-01 · 7/8 (Juli/August 1914) · p. Seite 2

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
26 (1914)
Issue
7/8 (Juli/August 1914)
Date
1914-07-01
Page
Seite 2 (sequence 7)
Language
German
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2 von ihnen steht an Freudigkeit und löwenmutiger Entschlossenheit hinter seinen andersgläubigen Kameraden zurück. Aus den Reihen der jüdischen Bevölkerung fließen reichliche Liebesgaben für die Opfer des Krieges. „Gut und Blut für unseren Kaiser!“ In der Stunde der Gefahr fühlen wir uns als vollberechtigte Bürger dieses Staates, wir, die in den langen Jahren des Friedens nur zu sehr Ursache hatten, zu klagen, daß man uns als Staatsbürger 'zweiter Klasse behandle. Und wir Juden werden auch weiterhin alle Lasten, die das heute kaum noch vorauszusehende Schicksal uns auferlegen sollte, in inniger, freudiger Vaterlandsliebe tragen. Mit dem Blute unserer Kinder, mit unserem Hab und Gut wollen wir dem Kaiser dafür danken, daß er uns frei gemacht, wollen wir dem Staate beweisen, daß wir seine getreuen Bürger sind, so gut wie irgendeiner. Und wir hoffen auf den Sieg! Nach unseren heiligen Bräuchen flehen auch wir 'zu dem Herrn der Heerscharen in unseren Gotteshäusern, daß er unsere Waffen segne und unsere Feinde zerstreue. Aber wenn der Sieg erfochten, wenn nach langen und bangen Kriegszeiten das Volk sich im stürmischen Siegesjubel wieder um seinen Kaiser schart, dann werden auch wir auf die Wundmale 'zeigen, die das große Ringen uns geschlagen. Dann werden wir nimmermehr dulden, daß die Hämlinge, die ^etzer und Wühler mit ihrem Hasse und Neide gegen uns dort wieder einsetzen, wo sie jetzt, der Not gehorchend, nicht dem eignen Triebe, aufgehört haben. Nach diesem elementaren Aufschwung aller Geister, nach diesen ungeheuren Opfern, nach diesem Kriege mit all seinen Schrecken darf es keine antisemitische Hetze mehr in Oesterreich geben. Mit dem Hinweise auf das dem Vaterlande geweihte Blut unserer Söhne werden wir uns den Anspruch auf volle, ungeschmälerte Gleichberechtigung, auf die rückhaltlose Anerkennung unserer staatsbürgerlichen Rechte erkämpfen! In diesem Augenblicke gehört jeder unserer Gedanken dem * Kaiser, dem Reiche! Aber nach dem Kriege werden wir an unsere Stellung im Staate denken. S. F. Talmud und Kabbala. Von Dr. Julius Weißburg. Wie zur Zeit neuauftretender Epidemien Ausdrücke der medizinischen Wissenschaft auf aller Leute Lippen sind, so schwirren 'seit den Verhandlungen des Kiewer Prozesses — eigentlich auch ein Produkt von Krankheitsstoffen — die Namen „Talmud“ und „Kabbala“ um uns1 her und der Zeitungsleser hat Gutachten über angebliche Geheimnisse dieser

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