Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 26 (1914)
- Issue
- 7/8 (Juli/August 1914)
- Date
- 1914-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Monatschrift der Oesterreichiscb Israelitischen Union. Hr. 7—8 Wien, Juli—August 1914. Der Krieg. Unsere Söhne stellen vor dem Feind! Vor einem haßerfüllten, heimtückischen Feind, der mit Verschwörung und Meuchelmord die Grundvesten unseres Staates unterwühlen wollte, und gegen dessen Bosheit kein anderes Mittel mehr übrig blieb, als der Krieg. Ergreifend klingt das Wort unseres greisen Kaisers, daß er seine Jahre in Frieden beschließen wollte und nun dennoch genötigt sei, zur Verteidigung der Ehre und ungestörten Ruhe des Vaterlandes das Schwert zu ziehen. In glühender Begeisterung scharen sich alle Völker Oesterreichs um ihren vielgeprüften Monarchen, dem alle Stürme des Lebens den ritterlichen Mut und das erhabene Gefühl für Ehre und Pflicht nicht zu beugen vermochten. AusgelÖScht sind in diesen schicksalsschweren Tagen alle nationalen Gegensätze, alle konfessionellen Unterschiede, alle Zwietracht und Eifersucht, die sonst im Inneren des Reiches unheilvoll walteten. Ein einziger Gedanke, eine einzige Empfindung beseelt alle und jeden: die Liebe zu Kaiser und Vaterland und der eherne Wille, den frevelhaften Störenfried zu züchtigen. Unsere Söhne stehen vor dem Feind, und aus dem Kriege gegen Serbien droht eine Weltkatastrophe zu werden. Aber was immer werden mag, jedermann in Oesterreich, ob jung oder alt, ob hoch oder niedrig, ob Mann oder Weib, wird seine Pflicht er- * füllen wie die hohe Lichtgestalt auf dem Throne, deren ganzes Lehen ein einziger Akt vorbildlicher Pflichterfüllung war und ist. Und voran in wetteifernder Betätigung der Vaterlandsliebe stehen die Juden. Wie sie immer das staatstreueste, hingebungsvollste, opferfreudigste Element gewesen sind, so auch jetzt! Vergessen ist in diesem verhängnisschweren Augenblicke alle Verfolgung und Bedrückung, denen wir seit Jahrzehnten ausgesetzt waren! Auch unsere Söhne und Brüder stehen in den Reihen unserer tapferen Armee, bereit, ihr Leben für die Ehre und Größe des Vaterlandes hin'zugeben. Und wahrlich, keiner