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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1914-03-01 · 3/4 (März/April 1914) · p. Seite 24

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
26 (1914)
Issue
3/4 (März/April 1914)
Date
1914-03-01
Page
Seite 24 (sequence 29)
Language
German
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24 und Jugendpflege?“ Er wandte sich gegen die Anwendung konfessioneller Gesichtspunkte sowohl in der Schule, wie sie das heutige System mit sich bringe, wie insbesondere in der Jugendpflege. Die Versuche, die Jugend schon parteipolitisch zu beeinflussen, seien durchaus zu verurteilen, und es sei jeder zu bekämpfen,, der für die Jugend mit nicht einwandfreien Mitteln wirke, denn er versündige sich an der Jugend. Die staatliche Jugendpflege in ihrer jetzigen Form ist ein Mißerfolg. Wenn der Staat etwas für die Jugendpflege tun will, dann soll er es durch direkte Einrichtungen, z. B. durch Angliederung an die Fortbildungsschulen, tun und soll die vorhandenen Organisationen, die im einzelnen ja Gutes wirken können, nur insoweit unterstützen, als sie dem gemeinsam großen Ziele dienen, dagegen jede Ausschweifung konfessioneller Art b e k 3 m p f e n. Wir sollen immer den Ausspruch bedenken, daß eine weitgehende Kultur eine weitgehende Trennung bedeutet. Schließlich könnte man soweit kommen, daß eine Einigung auf dem gemeinsamen Boden des Staates nicht mehr möglich ist. Sollen wir aber über di© Kulturklüfte hinweg uns die Hände reichen zu gemeinsamen Handeln, so muß die Jugenderziehung die Brücke dazu bieten. Darum müssen alle Trennungen prinzipiell bekämpft werden. Nur dann wird das Ziel erreicht, die Jugend für das ganze Vaterland zu erziehen. Im Anschluß an das mit großem Beifall aufgenommene Referat wurde folgende Entschließung angenommen: „Die Hauptversammlung“ des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus verurteilt alle parteipolitischen Werbungen um die Jugend und das Hineintragen verhetzender und trennender Tendenzen in die Organe der Jugenderziehung und Jugendpflege auf das entschiedenste und fordert alle Gesinnungsgenossen auf, der konfessionellen, sozialen und nationalistischen Trennung und Entfremdung der Jugend, insbesondere in den Jugendpflege- Organisationen, mit allen Mitteln entgegenzuwirken. Die Versammlung hält die Unterrichtsverwaltung für verpflichtet, wirksame Maßnahmen gegen verhetze rische Agitationen in den staatlich unterstützten Jugendpflege-Organisationen zu treffen.“ Landtagsabgeordneter W o 1 f f - Lissa sprach über: „N a t u r a 1 i s ation und Aufenthaltserlaubnis in Theorie und Praxi s.“ Der Redner nahm Bezug auf die Verhandlungen im preußischen Abgeordnetenhause über die Naturalisation und legte eine Statistik vor, aus der zu schließen sei, daß die Juden bei der Naturalisation zurückgesetzt würden, obwohl die Zentralinstanzen dies bestreiten. Man sollte statt des Grundsatzes: „Der Staat hat ein Interesse- oder kein Interesse daran, den oder den 'zu naturalisieren“, sagen. „Es. steht der Naturalisation kein staatliches Interesse, bezw. ein staatliches Interesse entgegen“. Die Praxis muß gemildert und dem Betreffenden muß die Möglichkeit gegeben werden, ein Rechtsmittel gegen die erste Entscheidung zu gebrauchen. Vielleicht tritt eine Aenderung durch den "Wechsel 'in der Person des Ministers des Innern ein. Mit der Aufenthaltserlaubnis ist es noch viel schlimmer; da gibt es über-

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