Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 26 (1914)
- Issue
- 3/4 (März/April 1914)
- Date
- 1914-03-01
- Page
- Seite 22 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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22 Statthalterei, Ministerium für Kultus und Unterricht) gelungen, den AVahltag endlich durchzusetzen. Die Wahlbeteiligung war eine enorme; nicht nur die Meraner, auch die Bozener und Trienter Juden kamen in überwiegender Mehrheit zur Wahl nach Meran. Gewählt wurden als Ausschußmitglieder Med.-I)r. B ermann, Med.-Dr. Goldstein, Med.-Dr. Wassermann, Advokat JUDr. Hugo Zuckermann (sämtlich aus Meran), Leopold Mantel, Kaufmann aus Trient, als Ersatzmänner Xandor. R i e ß, Kaufmann, und Hermann Zipper, Privatier aus Meran, alle durchwegs mit mindestens 132 Stimmen, während die Kandidaten der Königswarter-Stiftung mit 52 Stimmen in der Minorität blieben. Das neue Kultuskomitee hat nach der Entscheidung des Ministeriums für Kultus und Unterricht vom 20. September 1913 „unverzüglich die Leitung der Kultusangelegenheiten der Meraner Israeliten zu übernehmen“ und „als zur Vertretung der Meraner Israeliten statutenmäßig berufenes Organ“ seine Stellungnahme zu der Frage der E rr i c h tu n g einer neuen Kultusgemeinde für Südtirol zu präzisieren . Es wird hoffentlich die Verhandlungen mit der Königswarter-Stiftung bezüglich der Uehergabe des Kultus zu raschem und friedlichem Abschlüsse bringen und^ die baldige Gründung der selbstständige Kultusgemeinde für Südtirol erreichen. Berlin. (Die Bedrückung der Juden im nahen Osten.) Der Hilfsverein der deutschen Juden hielt kürzlich in Berlin seine ordentliche Mitgliederversammlung ab. Der Vorsitzende Dr. James Simo n schilderte, der „Voss. Ztg.“ zufolge, die Tätigkeit des Vereines im letzten Jahre. Die Verhältnisse in den östlichen Ländern waren für die jüdischen Glaubensgenossen infolge des Balkankrieges noch trauriger als bisher. Man mußte den Opfern des Balkankrieges aufhelfen. In Galizien hat sich die Lage der Juden verschlechtert; nach russisch-polnischem Muster hat man über sie den Boykott verhängt. Kein Wunder, daß die Auswanderung zunimmt. In Rumänien dauert der Kampf um die Bürgerrechte fort, ohne‘daß sich für die entrechteten Juden bisher ein Erfolg zeigt. Es fragt sich, ob man den 15.000 Juden, die unter den Fahnen gestanden haben, irgendwelche bürgerlichen Rechte einräumen wird. In Rußland ist im verflossenen Jahre die Lage der Juden noch schlechter geworden. Das Wohnrecht wird immer weiter eingeschränkt, ebenso die Wahl des Berufes. Von 3900 Aufnahmegesuchen an 10 russischen Universitäten und höheren Bildungsanstalten wurden nur 162 berücksichtigt. Die Auswanderung, die unter diesen Verhältnissen die einzige Möglichkeit der Erlösung aus dem düsteren russischen Elend ist. stieg auch ganz beträchtlich: 1912 waren es 85.000, 1913 aber 130.000 jüdische Auswanderer. Posen. (V e i' e i n z u r A b w e h r des A n t i s e in i t i s m u s.) Die unter dem Vorsitz des Reichstagsabgeordneten Göthein abgehaltene Generalversammlung des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus war zahl reicht besucht. Abgeordneter Gothein führte in seiner Begrüßungsansprache aus: Es sind jetzt bald 24 Jahre her, daß der Verein zur