Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 26 (1914)
- Issue
- 3/4 (März/April 1914)
- Date
- 1914-03-01
- Page
- Seite 16 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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16 verbreitete, daß bei Schwarz ein Christenknabe zu rituellen Zwecken versteckt gehalten werde. Die Menge geriet in Aufregung und wollte die Tür zum Laden einrennen. Ein gewisser Kahnski, der die Menge beruhigen wollte, wurde schwer verregung und wollte die Zür zum Laden einrennen. Ein gewisser Kalinski, der die Menge beruhigen wollte, wurde schwer verletzt. Schließlich gelang es der Polizei, Ordnung zu schaffen. Besonders charakteristisch ist aber folgender Fall, von dem in der Rjetsch berichtet wird. In Borispol, Gouv. Poltawa, hatte sich der Schüler der 2. Klasse einer Elementarschule L j a s c htschenko eigenmächtig nach Kiew begeben. Um seine Ausreißerei zu entschuldigen, erklärte er, daß ihn Juden fortgeschleppt hätten, um ihm „sein Blut abzuzapfen“. Als sich die Lüge des Knaben herausstellte, wurde er aus der Schule ausgeschlossen. * * * Der „Aufwärts“ als Organ des St. Josefvereins zur „Verbreitung guter Schriften“, der auf dem Titelblatt besonders verzeichnet, daß er von Papst Pius 'X. gesegnet sei und ferner eine Empfehlung des Bischofs von Trier abdruckt, gibt sein Februar-März-Heft zur Aufwärmung einer der zahlreichen Lügen über den angeblichen jüdischen Ritualmord her. Für diese Nummer ist noch eine besondere Propaganda getrieben worden; so ist sie, wie aus Mainz berichtet wird, dort in vielen Exemplaren vor die Haustüren gelegt worden. Die Fälschung, deren erneute Verbreitung in Nachahmung der längst entlarvten Vorläufer aus dem antisemitischen Lager das Blatt sich angelegen sein läßt, ist der angebliche Ritualmord an dem Knaben Simon von Trient im Jahre 1475. Die Geschichte ist schon unzählige Male klargestellt, und auch die kirchlichen Autoritäten haben die Behauptung eines Ritualmordes deutlich und entschieden zurückgewiesen. Um so ungeheuerlicher ist es, daß das Organ des St. Josefsvereins es wagt, die Dinge so :zu erzählen, als handle es sich um einen gerichtlich einwandfrei festgestellten Ritualmord, wonei alle die früheren Fälschungen, einschließlich der Daten, unbekümmert um die späteren berichtigenden Feststellungen dreist wiederholt werden. Demgegenüber sei auf folgendes hingewiesen, wobei wir uns auf eine für Katholiken gewiß einwandfreie Quelle beziehen, nämlich auf das Buch des früheren Zentrumsabgeordneten Pfarrer Frank: „Der Ritalmord Vor den Gerichtshöfen der ,Wahrheit und der Gerechtigkeit“ (G. J. Manz, Regensburg). Wegen der Ermordung des Simon von Trient wurde allerdings vom Bischof Hinderbach ein Ritualmordprozeß gegen mehrere Juden auf Grund ganz vager Angaben eingeleitet und eine Verurteilung