Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 26 (1914)
- Issue
- 3/4 (März/April 1914)
- Date
- 1914-03-01
- Page
- Seite 15 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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15 'xwj|bnea Aus unserem Rechtsschutz- und Abwehr-Bureau. Neue Ritualmordmärchen. Eine plumpe Ritualmordgeschiehte erzählt das „Echo de Paris“ aus Soccia, auf der Insel Korsika. Dort soll der vierjährige Domenico F i e s c i unter geheimnisvollen Umständen verschwunden sein. Man hatte alle Wälder abgesucht, aber nichts gefunden. Auch die Vermutung, daß das Kind von frei umherlaufenden wilden Schweinen getötet und aufgefressen worden ist, läßt sich nicht aufrechterhalten, da nirgends etwas von Ueberresten gefunden worden ist. So 'bietet denn jetzt die klerikale Pariser Zeitung unter der fetten Ueberschrift „Ist ein Ritualmord verübt worden?“ folgende Beschreibung an: Das Kind ist gleich von jüdischen Kaufleuten, die durch die Gegend kamen, aufgegriffen und verschleppt worden. In Korsika soll die Aufregung groß sein und alles glaubt, daß ein Ritualmord vorliegt, der mit dem bevorstehenden Osterfeste in Verbindung zu bringen sei. Bis jetzt ist Frankreich von dem Ritualmordwahnsinn so ziemlich frei gewesen. * - * * Aus Rußland werden mehrere Fälle mit öhristenknaben gemeldet, die die christliche Bevölkerung stark aufgeregt haben sollen und dort das Tagesgespräch bilden. Unweit der Eisenbalmbrücke bei der Station Kowelj wurde die Leiche eines achtjährigen Knaben mit Stichwunden an der Brust, dem Halse und dem Kopfe gefunden. Es wurde festgestellt, daß am Tage vorher ein rothaariger Mann den Knaben auf dem Arm getragen hatte. Den Passanten hätte er erklärt, er trage den Knaben, weil er ein Krüppel sei. — ln Umanj wurde der in einer Matztenbäckerei tätige 13jährige christliche Knabe Anton Summer von einer Maschine verletzt, wobei er etwa ein Glas voll Blut verlor. Er und ein anderer Christenknabe Grigori Bosihkewitsch behaupten nun, Summer sei von den jüdischen Bäckern gewaltsam in die Maschine hineingestoßen worden. Der Stadtarzt konstatierte eine ‘schwere Verletzung des Armes des Knabein. ln einer kleinen Provinzstadt hatte kürzlich ein Mann aus Rache gegen einen Juden das Gerücht ausgesprengt, daß die Juden ein Christkind gerauht hätten, und es gelang nur dem Dazwischentreten besonnener Leute, die auf das Lügnerische des Gerüchtes hinwiesen, eine Judenhetze zu verhüten. — Ein zweiter Fall spielte sich in Lodz ab, wo in dem Laden eines gewissen Schwarz vor einigen Tagen die Decke einstürzte. Der Ladeninhaber schloß, um Diebstähle zu verhindern, sein Geschäftslokal, worauf sich in der Volksmenge das Gerücht