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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1914-03-01 · 3/4 (März/April 1914) · p. Seite 13

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
26 (1914)
Issue
3/4 (März/April 1914)
Date
1914-03-01
Page
Seite 13 (sequence 18)
Language
German
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13 befassen, da sie sonst widrige Konsequenzen zu erwarten hätten. Dreiundachtzig Rechtsanwälte sind wegen Beteiligung an einer Versammlung der Advokatenkammer, welche eine Resolution gegen den Kiewer Ritualmordprozeß faßte, in Anklagezustand versetzt worden. Der Kiewer erzkonservative Nationalist und Dumaabgeordnete Schulgin, der in flammenden Artikeln die russische Justiz vor der 'Schande des Ritualmordprozesses warnte, ist wegen seiner Kühnheit 'zu einer Gefängnisstrafe von drei Monaten verurteilt worden. Der Rechtsanwalt Grigorwitsch-Barski ist wegen seiner Unterzeichnung eines allgemeinen Appells gegen den Ritualmordwahn disziplinarisch bestraft worden. Der Rechtsanwalt Margolin ist auf Grund von Verleumdungen der wirklichen Mörderin des Justschinski, der Vera Tscheberjak, von der Kiewer Gerichtskammer aus dem Advokatenstanu ausgeschlossen worden. Der Journalist Brasul-Bruschkowski, der in der „Affäre“ die bekannten Enthüllungen zutage gefördert hat, hat ein Jahr Gefängnis bekommen, weil er beim Spielen der Zarenhymne in der Kiewer Ausstellung angeblich sich nicht von seinem Platz; erhoben hätte. Erwiesen ist, daß er an einer Stelle sich befand, an der das Spielen der Hymne gar nicht gehört werden konnte. Ueber hundert Strafen haben die Presse wegen des Falles Beilis getroffen: drei Zeitungen mußten ihr Erscheinen einstellen, mehrere Redakteure wurden verhaftet, zahlreiche Zeitungsnummern konfisziert, etwa vierzigtausend Rubel in Geld bezahlt, und noch steht eine ganze Serie von solchen Prozessen gegen die Redakteure bevor. Dies i!st nur ein (kurzer Ausschnitt aus den Erlebnissen derer, welche gegen den Ritualmordprozeß auftraten. Wie anders war es um die Gegenpartei bestellt! Mitteilungen der „Oesterreichisch - Israelitischen Union'. Todesfälle. Am 15. April d. Js. starb in Wien der bekannte jüdische Bankier Lucian Brunner, der viele Jahre auch unser Mitglied war. Der Verstorbene gehörte lange Jahre der demokratischen Partei an und gelangte als solcher in den Wiener Gemeinderat. Hier erregte er durch seine kritische Rednergabe

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