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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1914-03-01 · 3/4 (März/April 1914) · p. Seite 8

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
26 (1914)
Issue
3/4 (März/April 1914)
Date
1914-03-01
Page
Seite 8 (sequence 13)
Language
German
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8 lieb wiederspruchsvollen Gebilde kennen aber unmöglich auf dauernden Erfolg rechnen-; denn gleichzeitig wird eine Unzahl neuer, nationaler Kramläden errichtet, die das eigentliche Endziel der Bewegung bilden und die dann zu den eigentlichen Hemmnissen der modernen Genossenschaftsidee werden. Fortschritt und Solidarität sind hier eben bloß Masken für die eigensüchtige Politik einer Schicht, die mcht neue Gebilde schaffen, sondern nur das von anderen Geschaffene sich selbst :zuführen will. Auf dem Gebiet der Mittelstandsbewegung hat der Boykott im wesentlichen schon bestehende soziale Konflikte bis zur äußersten Schärfe getrieben. Die Boykottbewegung ist aber weit über den Rahmen dieser ursprünglichen Konflikte hinausgegangen und hat auf politischem und gesellschaftlich-kulturellem Boden den Charakter eines nationalpolnischen Feldzuges gegen das gesamte Judentum angenommen. In der Politik führte der Boykott einen starken Umschwung unter dem gesamten polnischen Bürgertum herbei. Bisher waren die Polen stets und überall die natürlichen Bundesgenossen der allrussischen Opposition. Jetzt aber sind sie offen und auf der ganzen Linie auf die Seite |der Reaktion übergegangen. Die Unterdrückten haben sich als rücksichtslose Unterdrücker entpuppt. Die Polen haben nunmehr klar bewiesen, daß ihre oft gerühmte Freiheitsliebe stets eigennützig war, daß sie sie auf fremde Kosten befriedigen wollten. Sie verlangen Freiheit und Autonomie, und gleichzeitig führen sie bei sich überall Freiheitsbeschränkungen ein. Sie scheuen sich nicht die Faust zu küssen, die gestern ohne Federlesen das Cholmgebiet von Polen abgerissen hat, wenn sie sich nunmehr dieser Faust gegen die Juden bedienen können. Auf Grund zahlreicher Gemeindebeschlüsse und kollektiver Denunziationen in Petersburg werden die Juden täglich massenweise aus den polnischen Gemeinden ausgewiesen. Dabei muß die russische Bureaukratie oft den Uebereifer der polnischen Freiheitskämpen dämpfen. Mit 'zynischer Offenheit befürworten diese in der Duma die weitestgehenden Beschränkungen der jüdischen Rechte in der Selbstverwaltung der polnischen Städte, an deren Ausbau und Aufschwung die Juden den tätigsten Anteil genommen haben. Und die Reichsduma hat auch die Juden den Polen ausgeliefert und die Rechtsbeschränkungen sanktioniert. Der Reichsrat tat desgleichen. Nur erteilte er gleichzeitig den Polen eine politische Lektion von echt mephistophelischem Sarkasmus, indem er bei dieser Gelegenheit in den Körperschaften der polnischen Selbstverwaltung den Gebrauch der polnischen Sprache kurzweg verbot. Ihr wollt die Juden verzehren und wir euch: Was konnten die Polen auf diese unwiderstehliche Logik erwidern? Die Herren Dmowski und Konsorten erklären

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