Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 24 (1912)
- Issue
- 12 (12.1912)
- Date
- 1912-12-01
- Page
- Seite 14 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/9756662-9604469-9604624--2494-9604640- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
14 wenn er den von „Liebeskünstlerinnen“ hervorgerufenen Luxus als Quelle des modernen Kapitalismus erkläre. Er suche vielmehr seine „Blendlaterne“ der Forschung nur der Reihe nach auf verschiedene Ursachen einzustellen, um seinen Untersuchungen schärferes Gesichtsfeld zu geben. Da Sombart selbst von einer „Blendlaterne“ spricht, sind wir einer weiteren kritischen Beleuchtung seiner Mauserung überhoben. Korrespondenzen. Budapest. (Die Einigungsbestrebungen.) Seit längerer Zeit bemühen sich bekannte Persönlichkeiten des ungarischen Judentums um die Schaffung einer einheitlichen G-emeindeorganisation, damit die Juden Ungarns eine Gesamtvertretung haben, die nach außen hin die Interessen der jüdischen Gemeinden wahrzunehmen vermag. Diese Bemühungen scheiterten bisher hauptsächlich an dem Widerstande der orthodoxen Kreise, die nicht die geringste Konzession machen wollten und das Nebeneinanderbestehen getrennter Gemeindeorganisationen einem Kompromiß vorziehen. Vor einiger Zeit -wurde ein aus 100 Personen bestehendes Komitee eingesetzt, um Vorschläge für die Zusammenfassung der Gemeinden in einer Organisation ,auszuarbeiten. Das Hunderterkomitee wählte zwei Subkommissionen, die ihrerseits eine Spezialkommission mit der Ausarbeitung eines Entwurfes betrauten. Auch wurde ein ständiger Referent zu dieser Frage bestellt. Bisher verhält sich jedoch die orthodoxe Pachtung, die in der „orthodoxen Landeskanzlei“ organisiert ist, nach wie vor ablehnende Berlin. (Zurückweisung jüdischer M e d i z i n a 1 Praktikanten,.) Wie erinnerlich, hatte der dirigierende Arzt des Britzer Kreiskrankenhauses, Dr. Schneider, einem jüdischen Bewerber um die Praktikantenstelle mit der Begründung abgelehnt, daß seine Assistenten nicht mit jüdischen Kollegen im Kasino zu verkehren wünschten. Auf eine Eingabe der Berlin-Brandenburger Aerztekammer hatte der Medizinalminister zwar dajs Verfahren des Dr. Schneider beanstandet, dem Britzer Krankenhaus |aber nicht die Ermächtigung zur Beschäftigung von Praktikanten entzogen. Eine Eingabe des Aerztekammerausschusses auf Grund der Beschlüsse aller preußischen Aerztekammern besehieri der Reichskanzler abschlägig. Nunmehr hat eine Petition des Geschäftsausschusses der Berliner ärztlichen Standesvereine den Reichstag beschäftigt. In der Petitionskommission beantragte der Referent, der antisemitische Abg. Burckhardt, Uebergang zur Tagesordnung. Die Kommission beschloß aber mit allen gegen zwei Stimmen, die Petition dem Reichskanzler zur Berücksichtigung zu empfehlen. Der Reichstag trat in seiner Sitzung vom 26. November diesem Beschluß ohne Debatte bei. Danach soll in die Prüfungsordnung für Aerzte ein Passus auf-