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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1912-12-01 · 12 (12.1912) · p. Seite 13

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
24 (1912)
Issue
12 (12.1912)
Date
1912-12-01
Page
Seite 13 (sequence 18)
Language
German
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13 etwas zur Sache, wenn das Haar des Militärarztes gekräuselt ist, es ist sogar besser, daß es ihm nicht, wie jetzt vielleicht bei manchem der Verantwortlichen, straff — zu Berge steht. Werner Sombart’s Mauserung. Ende des vorigen Jahrhunderts behauptete Sombart, von Marx ausgehend, daß der Kapitalismus seine Wurzeln habe im Kampf um Futterplatz und Futteranteil. Anfangs des neuen Jahrhunderts verkündete er die neue Erklärung, daß das Judentum die Ursache'des Kapitalismus sei. Und als diese Theorie und ihre durchaus unwissenschaftliche Begründung von den berufensten Vertretern der national-ökonomischen Wissenschaft zurückgewiesen wurde, da half sich der Vielgewandte, indem er plötzlich den Luxus als Quelle des Kapitalismus ausrief. Es ist nicht zu bestreiten, daß der Luxus an sich konfessionslos ist, die Gefahr antisemitischer Unterströ1 mungen also ausgeschaltet erschien. Sombart behauptet, mit mehr literarisch-ästhetischem als mit national-ökonomischem Beweismaterial, daß die Quelle des modernen Kapitalismus jener Luxus sei, zu dem geistliche und weltliche Machthaber verführt worden seien durch das „Weibchen“, durch die illegitime „Liebesküristlerin“. Die Päpste in Avignon, die Könige in Paris, die Dogen in Venedig —- sie alle hätten an ihren „Höfen“ sich dem Luxusbedürfnis der „Hofdamen“, der Cortegiana, der Courtisane gebeugt. Von den Herzensköniginnen der Minnesänger bis zu den Maitressen der Serenissimi habe sich in aufsteigender Linie die Luxusindustrie entwickelt, wodurch das bürgerliche Handwerk in seiner nüchternen Zweckmäßigkeit zurückgedrängt worden sei zugunsten der kapitalistischen Industrie. Seidenweberei, Spitzenfabrikation, Spiegelmanufakturen, Porzellan- und Kunstmöbelindustrien seien die ersten Anfänge der kapitalistischen Großfabrikation. Nur Luxusbedürfnis nach Kaffee, Tee, Zucker und Gewürzen habe den Kolonial-Kapitalismus in Spanien, Frankreich, England und Holland geschaffen. Erst in zweiter Linie sei durch die Baumwoil-Manufaktur das breite Volk vom Kolonial-Kapitalismus berücksichtigt worden. Aber auch dabei spiele das Kleiderbedürfnis des „Weibchens“ die Hauptrolle. Als Wurzeln des Kapitalismus käme mithin nicht nur der „Hunger“, sondern auch die „Liebe“ in Betracht! Sombart verwahrte sich zum Schlüsse gegen die Angriffe auf seine „Judenbücher“, wobei ihm seine „Einseitigkeit“ vorgeworfen worden sei, weil er nur in dem hebräischen Erwerbs - triebe die Ursachen des heutigen Kapitalismus gesehen hätte. Ebenso würde man ihm jetzt wieder Einseitigkeit vorwerfen,

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