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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1912-12-01 · 12 (12.1912) · p. Seite 12

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
24 (1912)
Issue
12 (12.1912)
Date
1912-12-01
Page
Seite 12 (sequence 17)
Language
German
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12 Mangel an Militärärzten. Die Wiener „Sonn- und Montagszeitung“ schreibt: In einer der jüngst verflossenen Delegationssitzungen beantwortete Kriegsminister Auffenberg eine Interpellation über den Stand des militärischen Sanitätswesens dahin, daß im allgemeinen alles in der besten Ordnung sei, daß jedoch von den systemisierten Militärärztestellen 200 nicht besetzt seien. Wir haben keineswegs die Absicht, diesem Detail unserer militärischen Bereitschaft irgendwelche Bedeutung beizumessen, und doch taucht angesichts der Antwort des Kriegsministers das Gespenst eines Mannes auf, der gegenwärtig allerdings beseitigt ist, der jedoch mindestens die äußere Verantwortung für diese immerhin seltsame Lücke im militärischen Sanitätswesen trägt. Der Generalstabsarzt Uriel war es, der die demagogische Propaganda für die sogenannte Entjudung des Militärärztestandes aufgenommen und mit geradezu drakonischer Konsequenz fortgesetzt hat, und dies mit so viel Glück, daß man heute erfahren muß, daß nicht einmal die vorschriftsmäßige Anzahl militärisch ausgebildeter aktiver Aerzte unserer Armee zur Verfügung stehe. Das ist einer jener unerhört schmerzlichen Fälle, die zeigen, wohin eine ebenso sinnlose als lächerliche und hirnverbrannte antikorifessionelle Hetze führen kann. Man muß sich, um die ganze, geradezu unerhörte Verfehlung der seinerzeitigen militärischen Oberleitung in dieser Frage zu erkennen, nur die Gründe vor Augen halten, die zu einer Entfremdung der Aerzte - schaff vom aktiven Militärdienst geführt haben. Nicht etwa, daß sich die Juden mit besonderem Elan hinzugedrängt hätten, sondern die einfache Tatsache, daß die anderen Konfessionen nicht genügendes Aerztematerial geliefert haben, war die eigentliche Ursache der perzentuellen Ueberzahl der Juden. Das sieht man am besten, da es an Militärärzten fehlt, obzwar die Anzahl der medizinischen Studenten eher gestiegen als gefallen ist. Und daß seinerzeit die Parole gegen die jüdischen Militärärzte ausgegeben wurde, hat sicherlich gar keinen anderen Grund, als daß irgend einem feudalen Herrn, dessen Gehirnkapazität mit seinem Einfluß in einem umgekehrten Verhältnis steht, die Nase eines Militärarztes beim Rapport nicht zugesagt hat. Die Bevölkerung aber wird jetzt fragen, ob es vielleicht besser ist, wenn unsere Soldaten an den Wunden, die sie in einer eventuellen Feldschlacht davontragen, elend zugrunde gehen, oder ob sie es nicht vorziehen, sich doch von einem Manne behandeln zu lassen, der zwar leidigerweise ein Jude — aber doch trotz alledem ein sehr guter und geschickter Arzt ist. Hier kommt es auf den Fachmann an, nicht auf die Konfession, nicht auf die Nase und nicht auf die Figur; es tut schwerlich'

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