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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1912-10-01 · 10 (10.1912) · p. Seite 13

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
24 (1912)
Issue
10 (10.1912)
Date
1912-10-01
Page
Seite 13 (sequence 18)
Language
German
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13 ii Aus unserem Rechtsschutz-und Abwehr-Bureau. Wie ans einem Lustmord ein „Ritualmord“ wird. Am 24. Juli d. J. wurde in Friedek an der 12L/2jährigen Marie Uherek ein Lustmord begangen, als dessen vermeintlicher Täter am 25. Juli d. J. der jüdische Agent Sigmund Glaser verhaftet wurde. Der Umstand1;, daß bei der Einlieferung des genannten Sigmund Glaser sich eine große Menschenmenge versammelte und unter Flüchen und Verwünschungen von einem Rituaimorde gesprochen wurde, veranlaßte die „Oesterreichisch-Israelitische Union“, einen Agenten nach Friedek zu entsenden, um festzustellen, ob wirklich Anhaltspunkte für die Schuld des Verhafteten vorhanden seien, oder ob vielleicht die vorhandenen Spuren auf einen anderen Täter hinweisen. Die Nachforschungen des von uns entsendeten Agenten führten zu folgenden Feststellungen, die wir in einer Strafanzeige der k. k. Staatsanwaltschaft in Teschen übermittelten. Die im Gasthause des Josef Miczulka in Friedek als Kellnerin beschäftigt gewesene Sofie von Krajewska hatte ausgesagt, daß Sigmund Glaser am Tage des Mordes unä 5 Uhr nachmittags bei ihr gewesen sei. Die Erhebungen ergaben, daß diese Aussage der Sofie von Krajewska unwahr ist, daß jedoch um die bezeichnete Stunde der Geliebte der Krajewska, namens Stanislaus Staniek aus Lublinitz en Preuß.-Schlesien, bei ihr geweilt habe. Stanislaus Staniek hat am 25. Juli die Sofie von Krajewska zum Gerichtshause begleitet, wo dieselbe als Zeugin vernommen wurde. An demselben Tage erhielten die Mutter des Staniek, namens Franziska Kleinander, und dessen Stiefvater, Adolf Kleinander, in Lublinitz ein Schreiben ihres Sohnes, in welchem dieser erklärte, daß er nachhause kommen Werde, weil er krank sei. Tatsächlich erschien am 26. Juli Stanislaus Staniek in Lublinitz. Nach1 Aussage des Adolf Kleinander war Staniek keineswegs krank, jedoch im Gesichte mehrfach zerkratzt. Der von uns entsendete Agent und der in Mistek bei Herrn Urban als Kutscher bedienstete Johann Jahn, welcher am Tage der Mordtat den Mörder am Schauplatze der Tat gesehen hatte, suchten Stanislaus Staniek in Lublinitz auf, und der Kutscher Johann Jahn agnoszierte mit absoluter Bestimmtheit Staniek als' jenen Mann, den er am1 Tatorte gesehen hatte. Johann Jahn bekundet dies eigenhändig auf einem unserer Strafanzeige beigelegten, mit Bleistift beschriebenen Kuvert. Am Tage vorher Waren der Agent und Jahn rftit Staniek, der Krajewska; und Fran'ziska Kleinander in Kattowitz zusammenge-

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