Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 24 (1912)
- Issue
- 10 (10.1912)
- Date
- 1912-10-01
- Page
- Seite 11 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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1L der Entsagung und Entsündigung und zugleich der Erinnerung an die Großtaten Gottes an ihrem Volke. Zwar kenne ich einige darunter, die sonst nicht immer dort einkehren, wo „koscher“ über den Eingangstüren steht, sondern anderswo sich ein Stück Schinken oder Schwartemagen schmecken lassen, aber den „bargen Tag“ gewissenhaft bis ins Alter strengstens gehalten 'zu haben sich rühmen. Und das ist immer wenigstens noch etwas, wenn die uralten Familientraditionen doch1 noch auf den höchsten Festen lebendig sind. Vom Opferdienst abgesehen, der nach dem Untergang des Tempels in Jerusalem mehr verschwand und durch Gebete, Vorlesungen und Erklärungen der Bibel ersetzt wurde, geht die Feier der großen Feste noch1 möglichst ähnlich der alttestamentjichen vor sich. Ihre Bedeutung hat sich gar nicht geändert. Von der strengen Fastenpflicht sind nach mosaischer Anordnung nur ausgenommen Kinder, Kranke und Schwangere. Nach der Mischnah war am Versöhnungstag auch' Waschung, Salbung und die Leistung der ehelichen Pflicht untersagt. Der Hohepriester zog im Tempel nicht die gewöhnliche, sondern nur die für diesen Tag bestimmte Kleidung an: Hüftklefd, Rock, Gürtel und Kopfband, alles aus Weißem Leinen. Beim Opfern des Stieres legte er dem Tiere seine Hände:iauf und sprach folgende Worte, weiche die Idee des' Versöhnungsfestes deutlich angeben . „Jehova, ich habe mich vor dir vergangen, ich bin widerspenstig gewesen und habe gesündigt, ich und mein Haus. Jehova, verzeihe mir jetzt mein Vergehen, meine Widerspenstigkeit und meine Sündey Womit ich mich gegen dich vergangen habe, wie geschrieben steht im Gesetze Moses, da er spricht: An diesem Tage Werdet ihr versöhnt und gereinigt von allen eueren Sünden, daß ihr vor Jehova rein seid.“ Lev. 16, 30. Die Formel bei der Handauflegung des bekannten Sündenbockes, der für das Volk in die Wüste verstoßen Wurde, lautete nach der Mischnah: „Jehova, dein Volk, das Haus Israel, hat sich vergangen, ist widerspenstig gewesen und hat gesündigt vor dir. Aber, Jehova, verzeihe die" Fehler, Frevel und Sünden, womit es gefehlt, gefrevelt und gesündigt hat, dein Volk, das Haus Israel, wie im Gesetze deines Dieners Moses geschrieben steht: Denn an diesem Tage Wird er euch sühnen, euch zu reinigen von allen eueren Sünden vor Jehova.“ In einem Volke, Welches von der Höhe der neuzeitlichen Errungenschaften, die es sich mit seinem scharfen und mobilen Geiste im höchsten Grade angeeignet hat, so herniedersteigen kann zur demütigen Verneigung vor Gott, schlummern gewiß noch gewaltige sittliche Kräfte. Erbaulich ist es, den frommen Wallern zuzuschauen, wie sie als einig Volk von Brüdern, Wie in der Urväter Zeiten, gewissenhaft ihre Feste feiern. Selbst diejenigen unter ihnen, Welche auf der Grenze