Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 24 (1912)
- Issue
- 10 (10.1912)
- Date
- 1912-10-01
- Page
- Seite 8 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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8 kund. Das hat jener französische König erfahren, der fünfzig Juden in Fässer stecken ließ, die innen mit spitzen Nägeln ausgeschlägen waren, und der nun befehlen will, diese Fässer durch die Straßen 'zu rollen, damit die fünfzig eines furchtbaren Martertodes sterben. Da kommt der himmlische Gesandte und sagt dem Könige, er selber müsse das erste Faß mit dem Fuße ins Rollen bringen, und der König erhebt den Fuß, und der Fuß ist verdorrt. So sehen alle, daß Gott, ihn strafen will, und befreien die Unschuldigen. Selbst Tiere stellen sich so in ihren Dienst. Ein Bär kommt in eine Stadt gelaufen und dringt in ein Christenhaus und wühlt die Diele auf und die Erde darunter, und gräbt die Leiche eines Kindes heraus, dessen Tod man den Juden izugeschrieben hatte. Die Legende kehrt die Sache auch wohl mal um. Sie erzählt, daß Judenkinder von Christen getötet sind; besonders gern werden jene in einen Fluß geworfen. Da befiehlt dann ein wundertätiger Rabbi dem Fluß, die Kinder lebendig und gesund wieder herauszuwerfen, die Uebeltäter aber mit seinen Fluten zu verschlingen. Und der Flu;ß Igehorcht. Aber als ein andermal ein Fluß ein ertränktes Kind nicht herausgibt, da verflucht der erzürnte Rabbi den Fluß, und der Fluß wird durch göttliche Kraft aus seinem Flußbett gerissen und muß von da ab in anderer Richtung fließen. Und damit drängt sich uns noch ein gewaltiger Unterschied zwischen der christlichen und der jüdischen Folklore auf. Die christlichen Helden ziehen frisch und fröhlich in den Kampf hinaus, sie wollen siegen und erobern; die jüdischen Heldeo gehen auch in den Kampf, aber nicht mit frohem Herzen, sondern mit Zagen und Beben, aus bitterster Not. Sie wollen natürlich auch siegen, aber nicht erobern, und ihr ganzer Sieg und Triumph besteht darin, daß sie Gerechtigkeit erkämpfen und daß sie ihr Leben retten. Die jüdische Folklore ist die Poesie eines gequälten und verzweifelten Volkes. Dr. Friedrichs. Der Versöhnungstag. Der katholischen „Kölnischen Volkszeitung“ entnehmen wir folgende unbefangene Betrachtung eines christlichen Schriftstellers über den höchsten jüdischen Feiertag: Gegen Herbst feiern die Juden ihre höchsten Feste: Neujahr und zehn Tage später auf den zehnten Tag des siebenten Monats (Tisri) das große Versöhnungsfest. Dieses gilt als ihr höchstes Fest, als der Sabbat der Sabbate, und heißt volkstümlich der Lange Tag. Unter Androhung der Ausrottung war dem israelitischen Volke durch Moses geboten, den „hohen Sabbat“