Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 24 (1912)
- Issue
- 10 (10.1912)
- Date
- 1912-10-01
- Page
- Seite 7 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/9756662-9604469-9604583--2446-9604592- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
7 stark verbreiteten mystisch-kabbalistischen Sekte der Chasidäer („Frommen“). Die kurze Erzählung eines an Beseht anknüpfenden Märchens wird manche Uebereinstimmung mit dem Vorangegangenen Zeigen; es kehren eben einzelne Züge in allen diesen Legenden wieder. Da wird einmal in irgend einem Lande, in irgend einer Stadt auch1 wieder jene schwere Anklage gegen die Juden erhoben; sie fürchten ihre Vertreibung, ihren Untergang. Um diese Not abzuwenden, sendet Beseht einen sehr reichen, angesehenen und frommen Juden nach Rom, um Hilfe beim Papst zu suchen. Wenn aber ein Jude römischen Boden betritt, ist er nach dem damaligen Gesetz dem Tode verfallen. Trotzdem macht sich jener auf, denn er soll und will ja seinem Volke helfen. Kurz vor Rom wird er als Jude erkannt, und nun wäre er getötet worden, hätte sich seiner nicht ein sehr vornehmer Mann angenommen. Der erkannte ihn nämlich wieder als seinen Wohltäter vor vielen, vielen Jahren, wo ihm der reiche Jude mit 1000 Dukaten geholfen hatte. Dieser bringt ihn nun vor den Papst, und der Papst gewinnt den Juden sofort lieb. Jedoch helfen kann er ihm nicht, weil die Anschuldigung gegen die Juden zu schwer und zu bestimmt lautet. Aber der Jude bittet und weint. Da wird dem Papst das Herz weich' [wie Wachs, und er kommt auf den Gedanken, ob vielleicht in der großen „Chronik der Päpste“, worin doch alles steht, was es auf der Welt nur gibt, sich auch über diese Anschuldigung etwas findet. Und siehe da, dort ist wirklich eine so klare und so scharfe und so tief* sinnige Auseinandersetzung über das ganze, schon viele Jahrhunderte existierende Märchen vom Blutmorde und von den vielen Anschuldigungen, die in betreff dieses schon so oft gegen die Juden erhöben sind und sich immer als erlogen heraus1gestellt haben, daß der Papst alle Bischöfe und Kardinäle und Priester zusammenruft und ihnen sagt, daß auch dieser Fall erlogen ist, und daß alle Feindseligkeiten gegen die Juden unterbleiben. sollen. So hat Gott durch Beschts Rat ihnen geholfen. Magaril und Beseht sind die größten Wundertäter der jüdischen Folklore. Sie sind aber Menschen gewesen, deren lieben doch nur eine kurze Spanne Zeit währte; die Anschuldigungen wegen Ritualmordes gehen aber durch viele Jahrhunderte hindurch. Da hat Gott seinem Volke öfter auch anders helfen müssen. Er sendet wohl vom Himmel einen Engel hernieder, meist in Gestalt eines ehrwürdigen Greises, der mit dem flammenden Schwert in der Hand in die Gerichtsverhandlung tritt, und der nun den Mord mit allen seinen näheren Umständen aufdeckt und mit dem Schwerte auf den Mörder hinzeigt und diesen so der Gerechtigkeit überliefert. Oder der himmlische Gesandte tut seine himmlische Kraft durch andere Zeichen