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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1912-10-01 · 10 (10.1912) · p. Seite 6

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
24 (1912)
Issue
10 (10.1912)
Date
1912-10-01
Page
Seite 6 (sequence 11)
Language
German
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K wollen, und wollte ihn nun verderben. So gewann er sich denn einen Christen, der das Blutmärchen über den reichen Mann aussprengte, und der Bischof legte diesen daraufhin in Ketten und wollte ihn töten. Des Herzogs Macht scheint dem Biscüol gegenüber nicht sehr groß gewesen zu sein; er erlangt aber doch für seinen Freund, daß das Urteil wenigstens verschoben wird, bis der Kaiser und vor allem der Papst hierüber gesprochen haben. Und nun betet und fastet und singt ganz Israel Psalmen bis zur Ankunft des Papstes, und dem betenden Magaril erscheint ein Traumgesicht, das ihm andeutet, er soll den armen Leibei, den Strumpfwirker, der weit draußen vor dem Tor im ärmlichen Häuschen*wohnt, aufsuchen; der wird helfen. Fast niemand kennt den, so arm und unangesehen ist dieser so kluge Mann!. Magaril findet ihn endlich. „Braucht Ihr ein Paar Strümpfe?“ fragt Leibei. Da klärt ihn Magaril über die Wichtigkeit seiner Mission, über die große Kot auf, in der sich die ganze Judenschaft Prags befindet, und Leibei verspricht, 'zugleich mit dem Papst dort zu sein. Der Papst naht in goldenem Wagen; da sieht er den armen Leibei zu Fuß mühsam seines Weges ziehen, und sofort nimmt er ihn zu sich in den prachtvollen Wagen, und bald erfährt er, wer Leibei ist und was er will. Der Gerichtstag ist da, und es steht schon sehr schlimm um den Angeklagten, er scheint dem Galgen verfallen. Nun tritt Leibei auf und läßt das getötete Kind im Sarge herbeischaffen, und er spricht zum toten Kinde: „Du siehst, wer vor Dir steht, setze Dich aufrecht!“ Das Kind setzt sich aufrecht hin, und Leibei fährt fort: „Warum schweigst Du? Sage, wer Dich erstochen hat!“ Und das Kind sagt: „Als ich krank war, kam der Bischof zu meinem Vater und sagte: „Dein Kind ist krank, es muß sterben, retten kann es niemand mehr. Aber ich verspreche Dir Heil im ewigen Leben, wenn Du es erstichst und den reichen Mann in den Keller wirfst.“ Und da nahm der Vater nach vielem Drängen und Zureden ein großes Messer und erstach mich trotz meiner Bitten und meines Weinens. Was aber nachher war, das weiß ich nicht.“ Nun spricht Leibei wieder: „Lege Dich jetzt zurück, mehr brauche ich Dich nicht zu fragen;“ und das Kind legte sich zurück und war wieder tot, und der König und der Papst ließen den Bischof und den Mörder ergreifen und hängen. Die Juden aber triumphierten ob ihrer Unschuld. Außer Magaril hat die jüdische Folklore noch einen anderen Geisteshelden, der gleichfalls bei Gelegenheit des Ritualmordes große Wunder vollbringt, den in der jüdischen Kirchengeschichte sehr bekannten Beseht, welcher um die Mitte des 18. Jahrhunderte in Podolien geboren wurde und dort als Prophet, Wundertäter und Heiliger eine große Rolle spielte; er ist der Begründer der in Ungarn, Galizien und den Donauländern einst

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