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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1912-10-01 · 10 (10.1912) · p. Seite 5

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
24 (1912)
Issue
10 (10.1912)
Date
1912-10-01
Page
Seite 5 (sequence 10)
Language
German
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5 über Mord aufdeckt, die Schuldigen findet and sie zur Bestrafung führt. Seine Glaubensgenossen sind aber damit gerechtfertigt und gerettet. Die Taten und die Person dieses Goilem — so heißt das Wundergeschöpf — spielen in der jüdischen Folklore eine äußerst verbreitete Rolle; eine Sammlung aller dieser Legenden findet sich in einer Handschrift des 17. Jahrhunderts in der Mainzer Stadtbibliothek. Magarils Rolle ist damit nicht erschöpft; er will nicht allein die einzelnen Fälle aufdecken und die Anschläge zunichte macnen; Magaril ist der große Gelehrte, er will auch beweisen, wissenschaftlich beweisen, daß alle diese Anklagen Märchen sind, denen nie und nimmer etwas Wirkliches zugrunde gelegen hat. Und nun beginnt das Tprnier, d. h. der große Kampf auf geistigem Gebiete mit geistigen Waffen. Er schlägt dem Kardinal Johann Silvester vor, 30 Tage lang mit 300 christlichen Priestern über diese Frage disputieren zu wollen, und dann soll der Kardinal selbst entscheiden, auf wessen Seite das Recht ist. Das geschieht: ein hitziger, scharfer Redekampf, während dessen alle Juden Prags beten, Psalmen singen, fasten und weinen. Magaril ist Sieger. Das gesteht ihm am Ende der Redeschlacht irn vollsten Umfange der Kardinal selber zu; er erweist dem Sieger die höchsten Ehren. Welch tiefen Eindruck aber Magarils Beweise auf die ganze Versammlung gemacht haben, das geht daraus hervor, daß alle seine Reden aufgeschrieben und dem Kaiser Rudolf übersandt werden, und der schickt seinen kaiserlichen Wagen mit der kaiserlichen Dienerschaft und lääjt den Sieger zum Schloß fahren, und dort heißt er ihn neben sich auf einen goldenen Stuhl setzen und macht ihn zu seinem geheimen Ratgeber. Dem ganzen Reiche aber tut er kund, daß nie mehr eine solche Beschuldigung gegen die Juden erhoben werden darf. Und damit ist die Aufgabe Goilems erfüllt; Goilem ist nun nicht mehr nötig. Magaril führt ihn zum selben Ort, wo er ihn erschaffen hat, und unter demselben Zeremoniell, nur in umgekehrter Reihenfolge, macht er ihn wieder zu dem, was er gewesen, zu Staub. Nicht immer scheint Goilems Hilfe dem Magaril zur Verfügung gestanden zu haben. Wahrscheinlich vor seiner Erschaffung hat Magaril ein anderes großes Wunder vollbracht, das natürlich immer in derselben Richtung, in der Anklage wegen Ritualmordes, liegt. Charakteristisch ist, daß er auch dies Wunder nur mit Hilfe vollzieht. Da lebte, wieder in Prag, ein sehr reicher, sehr frommer und sehr weiser Jude, der durch seine Frömmigkeit und seine Weisheit den Herzog von Prag so anzog, daß dieser ihn zu seinem Freund und zum Verwalter aller seiner Besitzungen in und um Prag machte. Aber der Bischof von Prag war erzürnt auf den Juden, weil er ihm zu einem großen Festmahl nicht 1000 Dukaten hatte borgen

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