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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1912-10-01 · 10 (10.1912) · p. Seite 3

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
24 (1912)
Issue
10 (10.1912)
Date
1912-10-01
Page
Seite 3 (sequence 8)
Language
German
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schönsten und vornehmsten Frau, der Königin, zu empfangen. Das Turnier des jüdischen Helden, d. h. also nicht das Turnier mit der blanken Waffe in der Hand, sondern sein Geistes - kampf geht genau so feierlich vor sich; es geschieht in Gegenwart des Königs, der Königin, des Hofes, am liebsten in der des Papstes. Der Papst wird von den Juden des Mittelalters überhaupt sehr verehrt; es beruht das darauf, daß in ihren größten Nöten, bei der Anschuldigung wegen Ritualmordes, die Päpste ihnen häufiger ihren Schutz liehen. Im christlichen Märchen, besonders im russischen, ist eine Hauptfigur der Zwerg und der Narr; der letztere ist aber, Wenn es zum Handeln kommt, absolut nicht töricht, sondern klüger und stärker und geschickter als alle übrigen. Ein solcher ist in der jüdischen Folklore der „geheime Gerechte“, d. i. „einer von jenen 36 Gerechten, ohne die die Welt nicht existieren könnte; er stellte sich anfangs ungebildet und dumm, aber im entscheidenden Augenblick, dann, wenn es gilt, Juden aus einer Not zu befreien, dann enthüllt er sich und ist klüger als alle Rabbiner und Zadoks (Sadducäer, der herrschende Priesteradel ihi 2. Jahrhundert n. Chr.), dann kennt er nicht nur die ganze Thora, sondern er hat alle Weisheit, die sonst nur den Engeln erschlossen ist, in sich, er kennt selbst die Sprachen der Tiere, Der „geheime Gerechte“ lebt auch wohl in größter Armut am äußersten Ende der Stadt in vollkommener Unbekanntheit, aber er ist so weise, daß schließlich die Minister des Königs von ihm hören und zu ihm eilen und sich von ihm Rat erbitten, und diese Ratschläge sind so vortrefflich, daß der König ihn dann „zum Zweiten hinter dem König“ einsetzt. — Siegfried ist unsichtbar durch die Tarnkappe, und mit Hilfe dieses rein äußerlichen Dinges verhilft er Günther 'zum Eheweibe. Der „Gerechte“ macht sich auch unsichtbar, aber durch Fasten, Waschungen und durch Anrufen Gottes. Der jüdische Held ist also stark durch seinen Geist und durch moralische Eigenschaften. Jedes Volk hat nur einige wenige Helden; es gruppiert um diese wohl eine Anzahl anderer Personen, die sich gleichfalls sehr auszeichnen, aber ihr Tun soll eigentlich nur das jener wenigen noch mehr hervortreten lassen; diese paar sollen alles überstrahlen, sollen unvergleichlich dastehen. So haben wir in der deutschen Sage Siegfried, die Franzosen ihren Roland, die Briten ihren König Artus, und so hat auch die hebräische Sage nur einige wenige Helden, die auch sie mit dem ganzen Glorienschein umgibt. Und wie wir uns Siegfried nur in Xanten und Worm, Roland am Hofe Karls des Großen, Artus mit seiner Tafelrunde nur in Caridol in Wales denken können, so führt uns der Hauptweise der hebräischen Folklore, Magaril, nach Prag. .._ Tf

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