Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 24 (1912)
- Issue
- 8/9 (August/September 1912)
- Date
- 1912-08-01
- Page
- Seite 17 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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17 land bereiten, wiederholen sich von Tag zu Tag und erfordern eine Abwehr durch unsere Regierung, noch bevor die Erneuerung des Handelsvertrages zur Beratung gelangt. Es wird sodann bei. Beratung des Handesvertrages mit Rußland eine wichtige Aufgabe der österreichisch-ungarischen Unterhändler bilden, vertragsmäßig festzulegen, daß die Drangsalierungen, die Rußland seinen Staatsbürgern zuteil werden läßt, nicht auch auf Angehörige unserer Monarchie ausgedehnt werden. Unter dem Vorwände, daß es sich um interne Polizeivorschriften handelt, auf welche die bestehenden Handelsverträge keinen Einfluß üben können, werden österreichisch-ungarische Geschäftsreisende jüdischer Konfession in willkürlicher Weise Schikanen ausgesetztj die das Reisen in Rußland in manchen Fällen ganz unmöglich machen. Ein Beispiel hiefür aus der allerletzten Zeit berichtet dem „Reisenden Kaufmann“ ein Vereinsmitglied. Dieses Mitglied, Vertreter einer reichsdeutschen Firma, bereist seit Jahren Rußland, ohne bisher, da er alle für Reisende jüdischer Konfession vorgeschriebenen Formalitäten stets genau erfüllte, einen Anstand gehabt zu haben. In letzter Zeit bereiste dieses Mitglied auch Südrußland, und hier wurde ihm im Gouvernement Krim der Aufenthalt verboten, mit dem Hinweise darauf, daß er als Ausländer, speziell Reisender jüdischer Konfession, nachweisen müsse, daß er „politisch unverdächtig“ sei. Das Mitglied hat es nach langwierigen Verhandlungen durchgesetzt, daß man ihm den Aufenthalt in ^Jalta so lange gestattete, bis er seine dringendsten Geschäfte erledigte. Das Mitglied wendete sich an uns um' Hilfe. Wir wußten nicht, welche Stelle von Rußland als kompetent erachtet wird, Atteste darüber auszustellen, ob jemand „politisch unverdächtig“ erscheint. Wir wendeten uns deshalb an die niederösterreichische Handels- und Gewerbekammer, die. auch Abhilfe versprach. In der Kammer wurde übrigens schon am 23. Mai d. J„ ein von uns publizierter Dringlichkeitsantrag des Kammerrates Dr. Hammerschlag angenommen. Die Eingabe der Aeltesten der Berliner Kaufmannschaft scheint auch ohne Wirkung geblieben zu sein. Der „Frankfurter Zeitung“ entnehmen wir bezüglich der deutschen Reisenden in Rußland folgendes: „Während die anderen Staaten den Schutz ihrer Staatsangehörigen gegenüber den Uebergriffen der russischen Bureaukratie in nachdrücklichster Weise und deshalb auch mit Erfolg wahrnehmen, haben deutsche Reisende, welche genötigt sind, nach Rußland zu reisen/fortgesetzt mit den ärgsten Schikanen zu kämpfen. Natürlich sind es zunächst deutsche Reisende jüdischer Konfession, gegen die sich die berüchtigten „Ausnahmsbestimmungen“ richten. Es dürfte bekannt sein,