Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 24 (1912)
- Issue
- 8/9 (August/September 1912)
- Date
- 1912-08-01
- Page
- Seite 16 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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16 wurde nach der katholischen «Kirche gebracht und dort aufgebahrt. In der' Stadt verbreiteten*!sich nun die verschiedenartigsten Gerüchte über die Todesursache des Dienstmädchens und riefen unter der Bevölkerung eine jude n f eind1iche Stimmung hervor. Einige lichtscheue Elemente begannen einzelne Juden zu mißhandeln. Der örtliche Rabbiner wandte sich sofort an den Polizeimeister mit der Bitte um Schutz und Hilfe. Bald darauf erschienen auf den Straßen starke Polizeipatrouillen mit dem Polizeimeister an der Spitze. Einige Personen wurden verhaftet. Die Polizei traf Schutzmaßnahmen. Am Mittwoch wiederholten sich die Ausschreitungen. In einigen Häusern wurden Fensterscheiben eingeschlagen. Wie verlautet, soll zur Aufrechterhaltung der Ordnung Militär requiriert werden. * * * Die des Ritualmordes angeklagte Hanna Spektor aus Lipowez, welche bekanntlich nach der Freisprechung durch das Gericht auf immer Rußland verließ und nach Amerika ging, kehrt nun zurück. Das freisprechende Urteil war auf Protest des Staatsanwalts von dem Senat kassiert und dem Bezirksgerichte zur nochmaligen Verhandlung übergeben worden. Gewisse Hetzorgane hätten daraufhin behauptet, Hanna Spektor sei nach Amerika geflüchtet, weil sie die gerechte Strafe für ihre Schuld fürchte. Mit Rücksicht auf diese Behauptungen überredete die örtliche jüdische Kolonie Frau Spektor zu der nochmaligen Verhandlung nach Rußland zurückzukehren. Fälschungen im Ritualmordprozess Juschtschinski. Gegen den gewesenen Chef der Kiewer Geheimpolizei Mischtschuk und zwei Geheimpolizisten ist wegen Fälschung im Ritualmordprozeß Juschtschinski das gerichtliche Verfahren eingeleitet worden. Ein konfiszierter Hetzartikel. Die in Krumau (Böhmen) erscheinende Zeitschrift „Der Landbote“ vom 5. Juli 1912 wurde wegen eines antisemitischen Hetzartikels unter dem Titel: „Der egoistische Schachergeist des Judentums“ von der Staatsanwaltschaft Budwcis konfisziert. Die Behandlung der österreichisch-ungarischen Reisenden jüdischer Konfession in Rußland. Die Klagen über Erschwernisse und Schikanen, welche die russischen Behörden den österreichisch-ungarischen Reisenden jüdischer Konfession bei der Ausübung ihres Berufes in Ruß- /