Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 24 (1912)
- Issue
- 8/9 (August/September 1912)
- Date
- 1912-08-01
- Page
- Seite 15 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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15 und verlangte zwei Lot Hefe. Da die Hefe in einem Keller des angrenzenden Zimmers aufbewahrt war, und die Berger das Mädchen nicht allein lassen wollte, forderte sie das Kind auf, ihr in den Keller zu folgen. Beide begaben sich nach dem nächsten Zimmer. Die Berger stieg in den Keller hinab, um die gewünschte Ware zu holen. Doch als sie nach dem Zimmer zurückkehrte, war das Mädchen verschwunden. Bald darauf versammelte sich vor dem Laden der Berger eine mit Knüppeln und Wagenrungen bewaffnete Menschenmenge. Es hatte sich nämlich in der Stadt das Gerücht verbreitet, die Berger habe an dem Mädchen einen Ritualmord (!!) begehen und sie deshalb nach dem Keller locken wollen. Inzwischen bekam die Menschenmenge, da es gerade tein Markttag war, neuen Zuzug und nahm der Berger gegenüber eine drohende Haltung ein. Man drohte, sie wegen des .angeblich versuchten Mordes totzuschlagen. Der Hausbesitzer Traczynski und die Frau eines Polizisten suchten die aufgeregten Leute zu beruhigen und durch allerlei Vorstellungen von dein Vorhaben abzubringen. Das Mädchen und deren Mutter, die eich1 ebenfalls unter der Menschenmenge befanden, erklärten fortgesetzt, die Berger habe das Mädchen ermorden wollen, wodurch die allgemeine Entrüstung und Aufregung noch mehr gesteigert wurde. Auch die Beruhigungsversuche der herbeigerufenen Polizei hatten keinen Erfolg. Mit dem Rufe: „Haut die Juden!“ schickte sich die Menge an, die Läden der Juden Zu demolierern. Erst einem alsbald requirierten starken Polizeiaufgebot gelang ßs, die Volksmenge nach den angrenzenden Straßen abzudrängen und zu zerstreuen. Der jüdischen Bevölkerung der Stadt hat sich ein begreiflicher Schrecken bemächtigt. Die Frau des Berger soll vor Aufregung erkrankt sein. Ueber den Vorfall wurde ein Protokoll aufgenommen. * * * Bei der jüdischen Familie Schmul Roßmann in Zdunska Wola war bereits seit längerer Zeit die verheiratete 26jährige Sophie Maciejewska, deren Mann beim Militär dient, als Dienstmädchen beschäftigt. An einem' Sonnabend besuchte, wie die „Lodz. Rdsch.“ berichtet, die Maciejewska ihre im benachbarten Dorfe Osmolin wohnhafte Schwester und kehrte erst spät am Abend heim. Als die Hausfrau am Sonntag morgen die Küche betrat, lag das Dienstmädchen besinnungslos auf dem Boden. Auf die Hilferufe der R. eilten Hausbewohner herbei, die einen Arzt herbeiriefen. Inzwischen war das Dienstmädchen gestorben. Am Montag wurde die Leiche vor einer Kommission vom städtischen Arzt und vom Kreisarzt seziert, die als Todesursache Herzschlag feststellten. Auch konstatierten die Aerzte bei der Verstorbenen einen Nierenfehler. Die Leiche