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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1912-08-01 · 8/9 (August/September 1912) · p. Seite 10

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
24 (1912)
Issue
8/9 (August/September 1912)
Date
1912-08-01
Page
Seite 10 (sequence 15)
Language
German
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10 Wanderarmenfürsorge genehmigt und das Musterstatut für die Kreisarmen-Kassen zur Kenntnis genommen. In der nächsten Zeit wird das vorbereitende Aktionskomitee an die einzelnen Kultusgemeinden die Einladung richten, ihren Beitritt zur Zentralstelle szu erklären, und nach erfolgter Anmeldung die konstituierende Generalversammlung einberufen. Nach vollzogener Konstituierung wird der Vorstand der Zentralstelle die Errichtung der einzelnen Kreisarmen-Kassen in Angriff nehmen, so daß voraussichtlich noch im Laufe des nächsten Winters die Organisation zur Regelung des Wanderbettels ihre Tätigkeit wird beginnen können. Todesfälle. Während der Sommermonate h'at der Tod empfindliche Lücken in unsere Reihen gerissen. Wir beklagen vor allem das Hjnscheiden des langjährigen Beirates der „Oesterreichisch- Israelitischen Union“, Herrn Samuel Heit, eines Mannes von seltener Herzensgüte und humaner Gesinnung, der auch im politischen Leben der Wiener Judenschaft eine hervorragende Rolle spielte. Auch ihm war das Judentum zu allernächst Menschentum im besten Sinne des Wortes, und die antisemitische Bewegung empfand er, der in der liberalen Aera aus kleinen Anfängen /sich zu einem bedeutenden und hochangesehenen Kaufmanne auf geschwungen hatte, als eine fortgesetzte Invektive auf seine eigene, vornehm veranlagte Persönlichkeit. Samuel Heit hat viele, viele Jahre hindurch im Rate der „Union“ gesessen und seine reiche Erfahrung, seine Klugheit und seine glühende Liebe zum Judentum haben ihn zu einem unserer wertvollsten Mitarbeiter gemacht. In den besten Mannesjahren und in voller Schaffenskraft ist Max Frank vom Tode überrascht worden. In ihm ist eine Hoffnung der Wiener Judensch'aft und des Wiener Freisinns abgestorben. Im Vorstande der Wiener Kultusgemeinde hat er sich als Finanzreferent rasch eine führende Stellung errungen und als fortschrittlicher Gemeinderat der Stadt Wien hat er in kurzer Zeit eine erstaunliche Fülle von Arbeit geleistet. Sein klarer durchdringender Verstand, seine Ruhe und Besonnenheit, die aber der notwendigen Festigkeit nicht entbehrte, sein rastloser Fleiß, seine strenge Sachlichkeit, seine nichtgewöhnliche agitatorische Begabung, die deshalb um so wirksamer war, weil sie sich mit persönlicher Liebenswürdigkeit paarte, machten ihn den politischen Freunden wert, den Gegnern gefährlich. Die;,Union“, die sowohl zu seiner Wahl in den Kultusvorstand wie zu jener in den Gemeinderat kräftig mitgeholfen hat, verliert in ihm einen treuen, hingebungsvollen Freund.

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