Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 24 (1912)
- Issue
- 8/9 (August/September 1912)
- Date
- 1912-08-01
- Page
- Seite 9 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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9 Persönlichkeiten als Rabbiner berufen hat und außerdem, namentlich in den Fünfzigerjahren des siebzehnten Jahrhunderts, viele polnische Gelehrte in ihrer Mitte beherbergte, konnte sich ein Milieu, wie in den Gemeinden Polens oder sogar wie etwa in Prag, nicht entwickeln. Es ist also im allgemeinen weder der vollendete italienische Stil noch die flotte rabbimsche Sprache Polens zu finden. Doch' zeigt ab und zu eine Anzahl von Inschriften eine reine und edle Sprache. Auf italienischen Einfluß sind die in Versmaß abgefaßten Inschriften zurückzuführen. Der alte Judenfriedhof ist nach der alten Vorstadt Roßau, die heute einen Teil des neunten Stadtbezirkes von Wien bildet, auch Roßauer Friedhof genannt. Wachstein führt zwingende Gründe dafür an, daß die Anfänge dieses Friedhofes in die Sechziger- oder Siebzigerjahre des sechzehnten Jahrhunderts zu verlegen sind. Wohl scheint der Grabstein des Märtyrers Mordechai b. Gerson Menzel, der nach unserem Bearbeiter mit dem Märtyrer Mordechai Modi b. Gerson identisch ist, auf das Jahr 1540 hinzuweisen. Doch spricht gegen dieses Datum die Tatsache, daß uns der Name dieses Märtyrers auf den Grabsteinen zweier seiner Töchter aus den Jahren 1634 und 1641 begegnet. Zudem fällt der Todestag der Frau Esther, Tochter des Akiba (Fr. Schälom), welches das erste unanfechtbare Datum ist, auf den 18. September 1582. In der Selbstbeschränkung zeigt sich' der Forscher. Wachstein präzisiert denn auch in besonnener, bedächtiger Weise seine Aufgabe folgendermaßen: „Es war mein eifrigstes Streben in dieser Arbeit, jede Person, die uns ja in einer gewissen Charakteristik entgegentritt, zunächst zu identifizieren, sodann sie in den jüdischen Quellen weiter aufzusuchen, ihren genealogischen Zusammenhang bloßzulegen und, was sich an Nachrichten in nichtjüdischen Quellen findet, soweit sie mir bekannt geworden isind, zusammenzustellen . . . An eine zusammenfassende geschichtliche Darstellung dieses Zeitabschnittes kann naturgemäß noch nicht gegangen werden, aber durch die geleistete. Identifizierungsarbeit ist der Rahhaen für die Aufnahme weiteren Stoffes geschaffen worden.“ der „Oesterreichisch - Israelitischen Union“. Zentralstelle für jüdische Wanderarmen-Fürsorge. Das k. k. Ministerium des Innern hat die vom Aktionskomitee des Delegiertentages der österreichischen Kultusgemeinden eingereichten Statuten der Zentralstelle für jüdische 496006