Mannheim
Compact Memory

Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1912-08-01 · 8/9 (August/September 1912) · p. Seite 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
24 (1912)
Issue
8/9 (August/September 1912)
Date
1912-08-01
Page
Seite 8 (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/9756662-9604469-9604546--2410-9604556
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

8 ihr Richtschnur Üus innerster Liebe; sie hat ausgezeichnete Kinder zur .Welt gebracht und war hurtig wie eine Gazelle, flink wie ein junges Kamel, wenn es galt, den Armen und Gefallenen unter die Arme zu greifen. Einmal finden wir eine Charakteristik,, die selbst einem Manne von, führender Stellung zur Ehre gereichen würde. Von Liba, der Frau des Isaschar Beer, der Tochter des Märtyrers Zacharia aus Eisenstadt, heißt es: „'Lieblich' in ihrem Tun, 'wie eine saftige Rose, war sie eine bedeutende Frau durch die Fülle der von ihr vollführten guten Werke. Sie verwendete sich bei der Obrigkeit für einzelne, sowie für ganze Gemeinden. Ihr Reichtum machte sie nicht hochmütig. Sie bewirkte, daß zwei herrliche Gotteshäuser errichtet wurden.“ Lena, Tochter des Jechiel Michl, starb eines gewaltsamen Todes. Sie ist ohne Zweifel mit jene Leonora identisch, von der das Theatrum Europaeum (sub anno 1651) berichtet, daß sie im März 1651 von einem Reiter durch zwei Kugeln erschossen wurde. „Zu Wien in Oesterreich“, heißt es daselbst, . „vor dem rothen-Thor/nechst bey der Aufzugbrücken/wurde im Monat Martio die fürnehme und jeder in ann wohlbekandte Jüdin Leonora / als sie in die Stadt gehen wollte / von einem unbekandten Reuter mit 2 Kugel todt geschossen: Weßwegen außgerufen wurde / daß derjenige / ,so den Thäter offenbahren würde / 500 Ducaten haben; So aber der Thäter sich selber angeben thäte / ihme tausend Ducaten / und das Leben geschenkt seyn solle / darumb daß man diese That für eine Anstifftung von den Juden selber gehalten.“ Es ist hochinteressant, daß in den Inschriften das Sterben im Lichte der Vorstellungen von dem Leben nach dem Tode durch einen euphemistischen Ausdruck, den Eintritt in das Leben der anderen Welt, die Rückkehr der Seele zu ihrem Urquell und, wie es bei Gelehrten heißt, die „Berufung in die himmlische Gelehrtenschule“ umschrieben wird. Der Glaube an die Unsterblichkeit und die Wiederauferstehung birgt den tröstlichen Gedanken der Kontinuität des Lebens in sich. Hand in Hand geht damit die Umschreibung des „Begrabens“ durch „Bergen“, „Verwahren“. Ab und zu wird bei Ehepaaren der der Bibel entlehnte Ausdruck: „Mann und Frau kamen beide in die Arche“ angewendet. Der Stil der Wiener Inschriften hält mit dem der Inschriften italienischer Juden aus derselben Zeit keinen Vergleich aus. Ferner kann eine allmähliche Verschlechterung der Sprache festgestellt werden. Wachstein sucht die Ursache dieses Verfalls darin, daß die aus Zentren jüdischer Gelehrsamkeit kommenden ersten Ansiedler hier keinen günstigen Boden vorgefunden haben dürften. .Obwohl die Wiener Judenschaft berühmte

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.