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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1912-08-01 · 8/9 (August/September 1912) · p. Seite 6

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
24 (1912)
Issue
8/9 (August/September 1912)
Date
1912-08-01
Page
Seite 6 (sequence 11)
Language
German
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6 auch die Lehre. Durch seine tiefgehenden Fragen brachte er als Richter Klarheit in die Streitsache. Weise und gelehrt jm allgemeinen und besonderen.“ „Er war ein treuer Hirte . . . mit ihm starb die Weisheit und auch das Buch der Heilmittel wurde mit ihm zu Grabe getragen.“; Wien war eine Zeitlang ein Zentrum1 der Kabbala. Der Wiener Oberrabbiner Sabbatai Scheftel Horowitz (gestorben 1660) war ein seltener Mensch, denn er vereinigte in sich beide im Diasporajudentum parallel laufende Geistesrichtungen, die intellektuell-szientifisehe und die religiös-innige, grüblerischmystische. Eine Analyse der jüdischen Gelehrtengeschichte zeigt selbstverständlich Uebergangs typen in den verschiedensten Variationen. Eine wirklich talmudische Heroengestalt, die gleichzeitig -vollständig im Banne der ‘Mystik befangen ist, gehört immer zu den Raritäten. Scheftel Horowitz ist eigentlich1 ein Adept dieser Richtung, die er von seinem1 bedeutenderen und berühmteren Vater Jesaia übernommen hatte. — Jakob ben Elieser war ein Meister in der Merkaba, der geheimsten und heiligsten der Wissenschaften, „dessen Worte in die himmlischen Höhen stiegen“ und der über jedes Krönchen jund Häckchen so vieles zu sagen wußte. Wachstein führt den Nachweis, daß Jakob kein anderer als der aus Worms stammende Jakob ben Elieser Aschkenasi Temerls war, der bei den bedeutendsten Männern seiner Zeit in hohem Ansehen stand, nach einer gedeihlichen Lehrtätigkeit in Lublin und Kaminee seine letzten Lebensjahre in Wien verbrachte, daselbst einen großen Einfluß ausübte und hier auch 1666 seine letzte Ruhe-, stätte fand. — Ein hervorragender Kabbalist war ferner der 1651 in jugendlichem Alter verstorbene Elchanan ben Zebi. Er wollte eine Familie nach dem heiligen Lande bringen. Da ereilte ihn in Wien, wo er eine wenn auch nicht offizielle Wirksamkeit entfaltete, der Tod. Er beschäftigte sich vor-, nehmlich mit der Lurjanischen Kabbala. Damit kein Unberufener von seinen Schriften einen schlechten Gebrauch mache und um Mißverständnissen in ihrer Auslegung vorzubeugen, lieh er sie sich mit ins Grab geben. Wie aus den angeführten Inschriften erhellt, fiel die Ge-i lehrsamkeit nur dann gewichtig in die Wagschale, wenn sie» sich zur Tat verdichtete, wenn Leben und Wissenschaft sich' deckten. Als die Säulen der Welt galten Lehre, Gottesdienst und Wohltätigkeit, denn von ihnen hängt der Bestand der Ge-: Seilschaft ab. In einer Grabschrift wird die Klage angestimmt: „Die Dürftigen haben Dich verloren, Dich, die Treuen von Gemüt und Weisen.“ In den Grabschriften von Gewerbetreibenden fallen uns die Fühlung mit dem Studium der Gotteslehre, der vielfache Hinweis auf gerechten, ehrenhaften Lebenswandel und auf die

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