Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 24 (1912)
- Issue
- 8/9 (August/September 1912)
- Date
- 1912-08-01
- Page
- Seite 5 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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5 achtung verloren 'zu gehen pflegt. Am differenziertesten ist daher das Lob, das den Gelehrten In den Grabschriften gespendet wird. Da heißt es: „In das Gesetz: Gottes versenkte er seine Gedanken, sein Herz und sein ganzes Trachten.“ „Treu von Gemüt, demütig und schamhaft gab er sich dem Studium der Lehre hin.“ „Sprudelnd in der Auslegung der Mischna, Hagada und Bibel, mied er die Welt und ihre Vergnügungen. Demütig suchte er den Umgang der Weisen und bildete mit Scharfsinn Jünger heran.“ „Die Lehre erleuchtete seine Nächte. Den Handel verschmähte er. Die Gelehrsamkeit war ihm Beruf. Mit Scharfsinn und tiefem Verständnis beherrschte er Mischna und Gemara. In Reinheit erfüllte er die Gebote und verrichtete die Andacht mit peinlicher Genauigkeit.“ „Er mühte sich ab in der Erforschung der Gehre, stellte sich in die Bresche und warf sein Leben hin.“ „Voll wie ein Granatapfel, Herr der Lehre, eine glänzende Leuchte, sein Mund hörte nicht zu lernen auf, die Finsternis verwandelte sich in Licht.“ „Ein sprudelnder Quell, enthüllte er das Verborgene. Das Weisheitsbuch Salomos erläuterte er sinnig — ein Erklärer und Prediger. Im Dichten und Denken hatte er nicht seinesgleichen.“ „In der Lehre Gottes verbrachte er Tag und Nacht, trug SorgJe für ihre Verbreitung und wich nicht vom1'Lehr- und Gotteshaus, ein Weiser und Schreiber, ein Sänger und Dichter, fromm und demütig, ein Schüler der Häupter <der Diaspora.“ „In seiner erhöhten Stellung war er für Israel wie Tau, ein erhabener Mann, bewandert im' ganzen Gebiet der Lehre, ein vollgepfropfter Schatz, ein Wunder seiner Zeit, ein Licht für ganz Israel. In seiner umfassenden Weisheit entrollte er den Himmel wie ein Buch.“ „Er war ein Meister unter den Erhaltern des Gesetzes, entwurzelte Berge (er war ein scharfer Dialektiker), besuchte die Lehrhäuser vieler Orte und Gegenden und verbreitete die Lehre. Waisen zog er auf und war verschwenderisch für die Armen.“ Auf Grabsteinen von Aerzten prangen die Inschriften: „Ein namhafter Arzt für die, welche vergeblich Hilfe suchten, ein gerechter Richter, scharfsinnig in seinen Entscheidungen. Er entwurzelte die Dornen und besserte die Risse aus, beherrschte ■das ganze Gebiet der Lehre, die Wissenschaften vom1 Göttlichen wie vom Natürlichen — ein Steuermann und Schiffslenker.“ „Er mehrte die Weisheit und verbreitete sie, war ein Licht für die Erde und ihre Bewohner. Mehr als seine Glaubensgenossen beherrschte er die sieben Künste. Er war ein treuer Hirte, Fürsprecher vor König und Fürsten. Fromme Werke übte er an Armen und Reichen; Recht, Wahrheit und Friede gehörten (zu seiner innersten Natur. Er heilte Wunden und Gebrechen, verfaßte Bücher und Schriften. Verwaist ließ er seine Zeit zurück.“ „Geschickt als Arzt, beherrschte er