Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 24 (1912)
- Issue
- 8/9 (August/September 1912)
- Date
- 1912-08-01
- Page
- Seite 3 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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meinsamer Kulturarbeit mit den Juden sprechen, die in Wien den Christlich-Sozialen aus der Patsche hilft und in der Provinz mit ihrer freiheitlichen Gesinnung flunkert, ist keinen Pfifferling mehr wert. Sie duldet es nicht nur, daß die stolze Errungenschaft der liberalen Aera, die Staatsgrundgesetze, zerfetzt werden, sie tritt sie selbst mit Füßen, und sie merkt dabei nicht einmal, wie sie damit ihr eigenes Grab schaufelt. F,ür die Neutitscheiner Ersatzwahl genügt der feste Entschluß der jüdischen Wähler, lieber einen Sozialdemokraten als einen Antisemiten. zu wählen. Für weiter hinaus Wird eine gründliche Auseinandersetzung und Abrechnung mit den deutschen Parteien notwendig sein. Die staatsbürgerliche Gleichberechtigung der Juden wird Schritt für Schritt beschnitten und selbst in die Armee, die bisher Vom nationalen und konfessionellen Streite ausgeschaltet war, ist der Judenhaß schon so sehr eingedrungen, daß der gesetzliche Anspruch der Juden auf das Offizierspatent in Frage gestellt ist. Keine deutsche Stimme hat sich noch gegen diese neueste reaktionäre Maßregel erhoben, obwohl der betreffende Erlaß nicht nur die Juden, sondern auch die nichtjüdischen bürgerlichen Elemente bedroht. Mit verschränkten Armen sieht man zu, wie jm Namen des Deutschtums die Freiheit erschlagen wird ,und der Klerikalismus sich zu unheimlicher Alleinherrschaft emporreckt. Und das alles aus lächerlicher Angst vor Herrn K. H. Wolf, der in einem anderen Lande längst schon zu den politisch Toten geworfen wäre. Das ist für die Dauer ein unhaltbarer Zustand, und vor allem kann man den mährischen Juden nicht zumuten, daß sie in diesem Sumpfe weiterwaten. S. F. Die Inschriften des alten Judenfriedhofes in Wien.*) Von B. Münz. Die historische Kommission der israelitischen Kultusgegemeinde in Wien hat vor mehreren Jahren auf Anregung des ausgezeichneten, leider zu früh dahingeschiedenen Geschichtsforschers David Kaufmann den löblichen Beschluß gefaßt, die Inschriften des alten Judenfriedhofes herauszugeben. Sie war dabei von der richtigen Erwägung geleitet, daß die Herausgabe und gründliche Bearbeitung der vom1 Jahre 1540 (?) bis 1748 reichenden Grabinschriften für die Sitten- und Kulturgeschichte der Juden und nicht 'zuletzt für die Wiener Lokalgeschichte und darüber hinaus ein großes Interesse beananspruchen darf. Sie verschloß sich ferner nicht der Einsicht, daß Ludwig August Frankl manche Epitaphien in seine „In- *) Zwei Bände. Wien-Leipzig, W. Braumüller, 1912. tV