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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1912-08-01 · 8/9 (August/September 1912) · p. Seite 2

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
24 (1912)
Issue
8/9 (August/September 1912)
Date
1912-08-01
Page
Seite 2 (sequence 7)
Language
German
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2 40 Prozent erreicht, scheitern wird. Jedes „deklarierten Antisemiten“, sagen wir, denn die Ereignisse der letzten Jahre haben zur genüge bewiesen, daß auch die Angehörigen der deutsch-fortschrittlichen Partei unter der Führung des sattsam bekannten Dr. jGustav Groß durchaus nicht frei von judenfeindlichen und jantiliberalen Anwandlungen sind. Diese mit Ausschluß der Wiener freiheitlichen Abgeordneten zustande gekommene deutsche Fortschrittspartei ist ja nur ein Partikel jenes deutschen Nationalverbandes, dessen Großteil, im Gegensätze zu Tschechen und Polen, für die Resolution Schmid gestimmt hat, eine Bundesgenossin jener Deutschradikalen von der Couleur Wolf, welche bei den letzten Wiener Gemeinderatswahlen die Christlich-Sozialen vor einer entscheidenden Niederlage bewahrt haben. Wenn somit auch die bisher so einsichtslose Brünner Parteileitung den Mahnungen der „liberalen“ Presse und dem Zwange der Umstände nachgeben und die Kandidatur des deutsch-fortschrittlichen Leipniker Bürgermeisters Kunowsky bestätigen sollte, — mit sonderlichem Elan werden die jüdischen Wähler nicht zur Urne gehen. Herr Kunowsky ist für seine Person gewiß ein sehr ehrenwerter und konfessionell vorurteilsloser Mann, aber er wird halt doch dem deutschen Nationalverband beitreten, der unter sich keinen Juden duldet und in welchem jener K. H. Wolf das Kommando führt, der sein Mandat der Wahlhilfe der Christlich-Sozialen verdankt und zum Danke dafür nicht nur bereit, sondern geradezu verpflichtet ist, das Deutschtum in Oesterreich dem Klerikalisrrms auszuliefern. Mag auch1 Herr Kunowsky verläßlicher und ehrlicher sein als die Herren Ulrich und Dr. Bodirsky, in diesem National - verband ist die ehrlichste freiheitliche Gesinnung zur Ohnmacht verurteilt. Die Ersatzwahl in Neutitschein wird ja an den traurigen Parteiverhältnissen im Abgeordnetenhause und namentlich an den unwürdigen Vorspanndiensten, welche die sogenanntem „deutschfreiheitlichen“ Parteien der klerikal-an tisemitischen Reaktion leisten, nichts ändern, mag nun der deutsch-bürgerliche oder der sozialdemokratische Kandidat aus der Urne hervorgehen. Aber nicht lange mehr werden die in dem deutschen Kataster eingeschriebenen jüdischen W'ähler Mährens die Frage umgehen können, ob sie noch weiterhin Parteien dienen können und wollen, die nicht nur sie selbst wiederholt geblufft, sondern auch der Freiheit und dem Deutschtum die schwersten Wunden geschlagen haben. Eine Partei, die in Aussig den Ritualmordwahn anfacht und in Olmütz oder Neutitschein um die Liebe der Juden wirbt, deren autonome Organe in Böhmen und in den Alpenländern die Juden von der Bewerbung um öffentliche Aemter ausschließen und in Mähren von „ge-

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