Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 24 (1912)
- Issue
- 8/9 (August/September 1912)
- Date
- 1912-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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def o^sterreichiSGb -Israelitisdipd Union. Nr. 8-9. Wien, August—September 1912. Die Reichsrats-Ersatzwahl in Nentitschein In wenigen Wochen findet im deutschen Wahlkreise Neutitschein eine Ersatzwahl in den Reichsrat statt. Als vor fünf Jahren in diesem Wahlkreise der deutschradikale Antisemit Doktor Bodirsky als offizieller Kandidat der Brünner deutschbürgerlichen Parteileitung auftrat und mit dein Sozialdemokraten Nießner in die Stichwahl kam', gab bei der letzteren die jüdische Wählerschaft, entrüstet über die Zumutung, einem ihrer ärgsten Feinde in den Sattel helfen zu sollen, für den sozialdemokratischen Bewerber den Ausschlag. Im Jahre 1911 wurden die jüdischen Wähler schändlich hintergangen. Als offizieller Kandidat erschien Herr Ulrich auf der Bildfläche, der in allen Versammlungen erklärte, daß .er der deutschradikalen Partei nicht angehöre. Kaum aber war er mit Hilfe der jüdischen Stimmen gewählt, als er hinging und der Gefolgschaft der Herren K. H. Wolf und Eduard v. Stransky beitrat. Bei der bevorstehenden Ersatzwahl bewirbt sich nun Herr Dr. Bodirsky neuerlich um das Mandat. Der gelungene Schelmenstreich des Herrn Urban reizt ihn zur Nachahmung. Vor kurzem erschien im deutsch-radikalen“ „Nordmährerblatt“ ein Artikel, in welchem die Notwendigkeit betont wird, mit den Juden in Mähren gute Freundschaft zu halten und im Interesse des bedrohten Deutschtums mit ihnen gemeinsam zu arbeiten. Selbstverständlich' sind die politisch wohlgeschulten Führer der jüdischen Wählerschaft des Neutitscheiner Wahlkreises dem schlauen Herrn Bodirsky nicht aufgesessen. Gewitzigt durch die Erfahrung, die sie mit Herrn Urban machen mußten, hätten sie seine Kandidatur auch' dann zurückgewiesen, wenn die Herren Wolf und Stransky nicht wenige Tage später in einer parteiamtlichen Communique verlautbart hätten, daß das Bekenntnis zum Antisemitismus das entscheidende Merkmal für jeden deutschradikalen Parteigenossen sei und bleibe. Nach all’ diesen Vorgängen steht es fest, daß die Wahlbewerbung des Herrn Dr. Bodirsky oder irgend eines anderen deklarierten Antisemiten an dem unerschütterlichen Widerstande der jüdischen Wähler, deren Zahl in diesem Wahlkreise fast