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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1912-05-01 · 5 (5.1912) · p. Seite 12

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
24 (1912)
Issue
5 (5.1912)
Date
1912-05-01
Page
Seite 12 (sequence 17)
Language
German
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I 2 dann müsse man dieser Erkenntnis auch offen und männlich Ausdruck geben und sich nicht von irgend einer Volksströmung daran hindern lassen. Der Vorstand der „Union“ habe dies getan in dem Bewußtsein, daß seine Anschauungen von der ungeheuren Mehrheit der Mitglieder geteilt werde. Die österreichische Judenschaft wolle tatsächlich eine jüdische Kurie nicht, weil eine solche gegenüber der gesetzlichen Emanzipation einen Rückschritt bedeuten würde, weil sie eine Negierung der verfassungsmäßigen .Gleichberechtigung jwäre. [Die Juden wollen in voller Gleichheit mit den anderen Bürgern dieses Staates bei den Wahlen in die öffentlichen Vertretungskörper wirken und sich nicht in eine eigene Kurie hineinpferchen lassen, welche ihnen einen unsichtbaren gelben Fleck anheften würde. Es sei aber auch nicht möglich, in der Bukowina eine jüdische Kurie zu errichten und in Wien, Böhmen, Mähren und den Alpenländern eine solche zu vermeiden. Daß aber die jüdische Kurie für die innerösterreichischen Länder ein Ding der Unmöglichkeit sei und die Juden in eine ganz unhaltbare — sowohl politisch als wirtschaftlich und sozial Lage brächte, bedarf keiner besonderen Begründung, nachdem Herr Brunner eine eigene jüdische Wahlkurie selbst für unpraktisch erklärt habe. (Lebhafter Beifall.) Es sprechen hierauf die Herren Beer und Rottenberg, worauf die Debatte geschlossen wird. Die Versammlung erteilt zum Schlüsse dem Vorstande das Absolutorium und spricht den Revisoren den Dank aus. In den Vorstand werden per Akklamation einstimmig die Herren Dr. Jakob 0 r n s t e i n, Gemeinderat, Stadtbaumeister Edmund Melcher und Isidor Samuel y wieder- und Herr Dr. Arthur Mahler neugewählt. Zu Revisoren wurden die Herren lg. Simon und Kultusvorsteher S. Brod bestellt. Nach Schluß der Generalversammlung hielt Herr Dr. .1. S. Bloch einen überaus interessanten, mit großem Beifalle aufgenommenen Vortrag unter dem Titel: „Reiseeindrücke aus Amerika“, welcher in der „Oesterreichischen Wochenschrift“ bereits publiziert wurde. Erinnerungen aus den Jahren 1815—17, Das ältere Geschlecht, das am Anfang der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts aufgewachsen war, schwindet immer mehr und mehr dahin. Aber selbst dieses Geschlecht hat nicht mehr das alte Ghetto in seiner ursprünglichen Gestalt gesehen, sondern nur von seinen Eltern und Voreltern die Nachrichten über das Leben und Treiben, über Handel und Wandel in den engen und kleinen, oft drückenden Verhältnissen vernommen. Daher sind alle Aeußerungen über die \

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