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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1912-05-01 · 5 (5.1912) · p. Seite 11

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
24 (1912)
Issue
5 (5.1912)
Date
1912-05-01
Page
Seite 11 (sequence 16)
Language
German
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11 Sammlung abgehalten und sie kümmere sich anscheinend auch nicht um die Kultuswahlen. Redner führt einzelne politische Momente, insbesondere die Stellungnahme zu dem Verlangen der Bukowinaer Judenschaft um Gewährung eines jüd. Katasters an, bei denen der Vorstand der „Union“ selbständig vorgegangen sei, ohne die Meinung der Mitgliederversammlung eingeholt zu haben. Ein jüdischer Kataster in der Bukowina mag praktisch sein oder nicht — er selbst halte einen solchen für nicht praktisch —, so müsse doch den Mitgliedern Gelegenheit geboten werden, zu einer solch wichtigen Angelegenheit Stellung zu nehmen. Redner spricht den Wunsch nach einer regeren politischen Tätigkeit und nach häufigerer Abhaltung von Versammlungen aus. Präsident Dr. Samuely erwidert dem Vorredner, daß die Zeiten auch für die Judenschaft andere geworden seien, und daß sich namentlich in Wien mehrere einander sehr heftig bekämpfende Parteien unter den Juden gebildet hätten. Gerade in jüngster Zeit sei es anläßlich eines Vortrages rein wissenschaftlicher Natur zu lärmenden Szenen sogar auf offener Straße gekommen, und die diesbezügliche Versammlung sei in sehr bedauerlicher Weise gestört worden. Sofort wurden diese Szenen von den antisemitischen Gegnern ausgenützt und in der christlichsozialen Wahlaitagtion spiele nun die Verleumdung, daß bei jener Versammlung die christliche Bevölkerung beschimpft worden sei, eine große Rolle. Gerade im Hinblick auf die bevorstehenden Gemeinderatswahlen und zur Vermeidung weiterer derartiger Angriffspunkte sei es geboten gewesen, spezifisch jüdische Versammlungen und insbesondere eine jüdische Wählerversammlung zu vermeiden. Mit der fortwährenden akademischen Versicherung, daß man auch die gegenteilige Meinung achte, sei nicht gedient. Diese Toleranz müsse auch praktisch betätigt werden, und man dürfe nicht wieder zu solchen Zuständen gelangen, wie vor Jahren, als in einer Versammlung der „Union“ einem um das Judentum verdienten Manne ein Bierkrügel an den Kopf geworfen wurde. (Lebhafte Zustimmung.) Vizepräsident Dr. Ornstein fühlt sich veranlaßt, zu den Ausführungen des Herrn Brunner Stellung zu nehmen, weil gerade er als langjähriger Vorsitzender der Versammlungen und als Vizepräsident ein Verantwortlichkeitsgefühl gegenüber den von Herrn Brunner behaupteten angeblichen Versäumnissen des Vereines in sich trage. Herr Brunner habe behauptet, es sei gleichgültig, ob die Von den Jüdisch-Nationalen verlangte jüdische Kurie in Mähren und in der Bukowina praktisch sei oder nicht, man müsse unter allen Umständen für dieselbe eintreten. In solcher Weise dürfe man doch nicht Politik machen. Wenn man eine Sache für praktisch undurchführbar erkenne,

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