Mannheim
Compact Memory

Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1912-01-01 · 1/2 (Januar/Februar 1912) · p. Seite 26

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
24 (1912)
Issue
1/2 (Januar/Februar 1912)
Date
1912-01-01
Page
Seite 26 (sequence 29)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/9756662-9604469-9604470--2350-9604496
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

26 der Tischler Petrow haben außerordentlich schwerwiegende Tatsachen bekundet, 'die 'zur Feststellung der wirklichen Mörder führen müssen. Gestern hat nun Brasil Bruschkowski der Kiewer Staatsanwaltschaft sein Material übermittelt und die beiden genannten Zeugen der Staatsanwaltschaft vorgeführt. Die anwesenden Staatsanwaltsgehilfen weigerten sich aber, die Bekundung der Zeugen, die die Situation völlig ändern und Licht in das Dunkel bringen, entgegen zu nehmen und begründeten ihre gesetzwidrige Weigerung damit, daß der Hauptstaatsanwalt in Angelegenheit Justschinsky nach Petersburg abgereist sei. Die Weigerung, solch wichtige Zeugen zu vernehmen, ist um so unerhörter, weil der Prozeß wegen des Mordes Justschinskys schon in dieser Woche beginnt und weil sich gerade jetzt der Ministerrat, der auch höheren Ortes zu berichten beauftragt ist, mit der Angelegenheit befaßt. In der Kiewer Bevölkerung, auch in der nichtjüdischen, herrscht über diese Vorkommnisse eine außerordentliche Aufregung, da man mehr und mehr zu der Ueberzeugung gelangt, daß man die Wahrheit in der Angelegenheit Justschinsky unterdrücken und die Juden als Schuldige hin stellen will, um einen Vorwand zu haben, gegen die Juden zu hetzen und Unruhen und Pogrome hervor'zurnfen. Die rätselhafte Mordaffäre Justschinsky in Kiew, die ganz Rußland seit einem Jahre in Aufregung hält, die manchen Ministerrat und selbst die Duma beschäftigt hat, ist jetzt ihrer Aufklärung nahe. Die gemeldeten Enthüllungen des Journalisten Brasil Bruschkowski füllen ganze Spalten der Kiewer und sonstigen russischen Zeitungen. Unter dem Drucke der öffentlichen Meinung hat auch die Kiewer .Staatsanwaltschaft ihre anfängliche gesetzwidrige Haltung aufgeben müssen. Noch spät am Abend wurde dem Verlangen Brasils nachgegeben und er und seine Zeugen einem fünfstündigen Verhör unterworfen. Die von Brasil angegebenen Zeugen machten für Mifle und seine Bande sehr gravierende Aussagen. Der Tischler Petrow hat kurz vor der Ermordung Justschinskys gesehen, wie Mifle eine Schusterahle präparierte. Nach der Ermordung Justschinskys fanden zwei Knaben, der Knabe Tschebyrjakow, der später merkwürdigerweise ebenfalls einen rätselhaften Tod fand, und der Knabe Sarutskv, diese Ahle. Sie war voll Blut. Neben der Ahle fanden sie an der Mordstelle auch eine eigentümliche Feile. Als Mifle Kenntnis von diesem Fund erhielt, wurde er sehr erregt und befahl, diese Gegenstände in eine Klosettgrube zu werfen. Die Mutter des getöteten Knaben Tschebyrjakow und der Knabe Sarutsky machten nach dieser Richtung die bestimmtesten Aussagen. Zugleich erzählte die Mutter, eine (ehemalige Geliebte Mifles, von geheimnisvollen Zusammenkünften Mifles Und seiner Genossen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.