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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1912-01-01 · 1/2 (Januar/Februar 1912) · p. Seite 18

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
24 (1912)
Issue
1/2 (Januar/Februar 1912)
Date
1912-01-01
Page
Seite 18 (sequence 21)
Language
German
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18 mehr, sondern nur eine mosaische Konfession, keine Geschichte des jüdischen Volkes, sondern nur eine Geschichte der israelitischen Glaubenslehre. Volk und Geschichte wurden jdem Moloch Gleichberechtigung geopfert. Der moderne Jude erlebt seine innersten Erlebnisse uicht im Judentum, sondern abseits vom Judentum. Erst wenn Israel als Volk wieder ein religiöser Wert wird geworden sein, wind idem; Juden seine Relifgion wieder Erlebnis werden können. Erlebnis aber ist auch Schöpfung. Und schöpferisch soll Israel wieder werden. 'Aus den Erlebnissen der Propheten sprang unbewußt aber notwendig ihr sittliches Werk. Sie, die die Knochen Israels waren, mit denen dieses Volk das Wetter spürte, die Schwüle, den nahenden Sturm, den schlagenden Blpz, sie waren auch) [das Mark des Vplkes, das Hirn, da.si imstande war, die Gedanken einer Nation, ja, einer Welt zu denken. So schufen sie den ethischen Universalismus, oder besser, sie lebten ihn uns vor und wurden dureh ähr Leben Schöpfer der höchsten Menschheitsgedanken. Israel soll wieder schöpferisch werden, und so wie es in seinen Propheten schöpferisch war. Das würde für mich Anknüpfung an die Propheten, Reduktion, Selbstbesinnung, Reformation bedeuten. Wem solcher Gedanke neu ist, der mag wohl glauben, er sei einer ungeheuerlichen Phantasie entsprungen. Aber der Gedanke ist nicht neu, sondern uralt. So alt, wie -unsere Zerstreuung über die Erde. Es ist der Zionsgedanke, der .Gedanke, Israel wieder aufzubauen auf eigenem Boden. Auf dem eigenen Boden, der allein die schöpferische Kraft wiedergeben kann. Der Gedanke hat heute seine Form im sogenannten Zionismus gefunden, feiner Bewegung, die ihrem Programm nach politisch ist und jede Anteilnahme am religiösen Leben Israels abgelehnt hat. Das jändert aber nichts daran, daß diese Bewegung religiös ist äm tiefsten Sinne des Wortes. Ich habe das moderne liberale Judentum trotz seiner ethischen Ideale eine Tachlisreligion genannt und habe gesagt, warum. Jetzt nenne ich den Zionismus trotz seiner Ablehnung' religiöser Arbeit ein ewdgreligiöses Ideal. Denn so muß man sagen: Die Ideale, die "einer hat, erweisen unter Umständen einen brutalen Materialismus. Aber es gibt auch eine materielle Praxis, •'die Zeugnis ablegt für den höchsten Idealismus. Jeder Fußbreit Landes, der in Palästina beackert wird von den Händen des jücli - dischen Bauern, ist ein Stück der großen Erneuerung unserer Religion, an die ich glaube mit der Kraft meiner Seele. Es sind Lutherthesen, die ’der Pflug des jüdischen Kolonisten in die Ebene von Jericho schreibt. Ob wir’s erleben, ob nicht, was tut es? Wenn wir oiur die feurige Wahrheit festhalten und vererben, daß die Heimkehr allein die Erneuerung unserer Religion bedeutet.

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