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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1912-01-01 · 1/2 (Januar/Februar 1912) · p. Seite 16

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
24 (1912)
Issue
1/2 (Januar/Februar 1912)
Date
1912-01-01
Page
Seite 16 (sequence 19)
Language
German
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16 gebietes verkennte. Eine 'gute Apologetik bebt den Stolz |uad; bann; so auch einen innerlichen iWert haben. Und gern erkenne ich an, daß Werke vom Schlage {des Lazarusschen manches zur Stärkung des jüdischen Selbstbewußtseins im letzten Jahrzehnt beigetragen haben. Aber schlimm ist es, wenn in einer religiösen Reform von der Religion nichts übrig bleibt, als die Apologetik. Und so ist es gewesen: Apologetik ist das Resultat unserer hundertjährigen .Entwicklung, Apologetik blieb uns, und Apologetik sind wir selbst, jeder von uns eine zwei-, beinige Apolojgetik. Wir leben von den Angriffen auf uns. Und wenn wir auf die Anpreisungen .fremder Werte sagen können: „Das haben wir auch!“ oder gar: „Das hatten wir vor euch!“, so gilt es unis als ein Triumph. Apologetik, das ist der Wert der jüdischen Ethik für uns in unserer Zeit. Denn wie könnte es auch anders sein? Was kann ein System, ein Lehrgebäude, ein Gedankenkomplex, fein säuberlich eingeschachtelt in Kapitel und Paragraphen, was kann, frage ich, ein solches System der Ethik einem wirklich religiösen Gemüte bedeuten? Was kann es bedeuten, selbst wenn es in religionsphilosophische Begriffe gekleidet wird? Der jüdische Gottesdienst ist der wahrste, reinste, höchste! So ist es wahrlich! Aber was nützt uns der Gesetzesbegriff, wenn wir es verlernt haben, die .Hände zu Gott zu erheben? Was nützt uns Religionsphilosophie, wenn wir keine Religion mehr haben? .Was nützt es der durstigen Seele, wenn ihr die Wahrheit und Vernunftgemäßheit der jüdischen Gottesidee expliziert wird? Was dem sehnenden Herzen, wenn es mit der Moral gefüttert wirft? iDass sinjd doch alles Kristallisationen, denn es sind Begriffe. Durststillende Bonbons allenfalls, aber die Seelen brauchen Wasser. Und das Wasser fließt nicht mehr. Die Gotteshäuser sind verödet. Mußten veröden, weil in ihnen nicht Religion, sondern über Religion gepredigt wurde, über die Dinge, nicht in den Dingen. So wurden die halbwachen Gemüter eingeschläfert, die ganz wachen, wirklich religiösen, geradezu abgestoßen. Und das nennt man „Anknüpfung“ an die „Propheten“ und schmeichelt sich, eine Reformation erlebt zu haben, eine Renaissance des klassischen Zeitalters unseres religiösen Werdeganges. Anknüpfung an {die Propheten: 0 deus, deus! klagt der Chronist. Anknüpfung an die Männer, denen Gott eia brennendes Feuer in den Gebeinen war? An die Männer^ die, als Gott sie (sandte, a(ufschreie,n mußten: Mein Inneres, mein Inneres? An die Männer, die aus den Schafhürden ihres Dorfes traten und auf den Altar schlugen, daß die Gesimse bebten? An Hosea undJeremia, denen die Ethik, die sie schufen, nicht wie unseren modernen Philosophiepropheten aus dem metaphysischen Begriff Gottes erwuchs, sondern aus ihren per-

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