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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1912-01-01 · 1/2 (Januar/Februar 1912) · p. Seite 11

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
24 (1912)
Issue
1/2 (Januar/Februar 1912)
Date
1912-01-01
Page
Seite 11 (sequence 14)
Language
German
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■"■vt 11 übrigens gleichfalls bereits die Frage auf, ob eine spezielle Landes- und Staatshilfsaktion für die galizischen Juden wünschenswert sei, oder ob sich nicht eine Ausdehnung der Hilfsaktion auf die ganze Bevölkerung Galiziens empfehle. („Im deutschen Reich“.) Die religiöse Judenfrage. Von Rabbiner Dr. Emil Kohn, Kiel Ich will hier über eine Frage sprechen, die einerseits mir als jüdischem Theologen brennend erscheint, andererseits aber auch vom einfachen plsycholqgischen Standpunkte aus überaus interessant ist: Die [religiöse Judenfrage. Nichts1 gewähr); einen [tieferen Einblick in die Seelenstruktur des liberalen Juden unserer Zeit, als seine religiösen Tendenzen. Nichts aber auch bereitet dem ernsten und bewußten Juden tiefere Nöte. Die religiöse Judenfrage. Um sie zu erfassen, muß man sich zuerst über eine andere, allgemeine Frage klar werden: Wie entwickelt sich Religion? Eine Frage, die deshalb so bedeutsam ist, weil Religion doch eine geistige Macht bedeutet und der Kampf zwischen Geist und Form, zwischen Materie und Idee nirgends klarer hervortritt, al's, eben in der Entwicklungsgeschichte der Religion. Interessant ist es nun zunächst, daß wir (in de,r Geschichte der verschiedenen Religionssysteme eine gewisse äußere Gleichartigkeit bemerken. In den Anfängen starker Enthusiasmus, ein großes Erleben der Gottheit in einzelnen Menschen, in Gruppen oder im ganzen Volke. Sobald aber dieses Stadium überwunden, ist, kommt eine Epoche, die ma,n die Zeit der Formenbildung nennen mag. Die ursprüngliche Begeisterung strömt aus, der Enthusiasmus schwindet, und es legt sich um die Erlebnisse der Schöpferzeit ein mystischer Schleier, der die Urgeschichte zur Heilsgeschichte werden läßt. Es bilden sich Lehrmeinungen, Dogmen und Symbole, welche dem' neuen Geschlecht die Realität der ursprünglichen religiösen Erlebnisse zu ersetzen bestimmt sind. Gleichzeitig mit dem Ausströmen des Enthusiasmus aber strömen fremde Elemente ein, je nach den Schicksalen, die die Religipn erleidet, je nach den Kulturen, denen sie begegnet. In keiner Religion bleiben solche Assimilationen aus. Denn es liegt im Begriffe der Relijgion, daß sie sich als geistige Macht durchsetzen muß. So bleibt ihr die Zeit der Kämpfe und Konzessionen nicht erspart. Auf (diese Weise hat das Judentum mit dem Hellenismus^ das Christentum mit dem Griechen- Römertum, der Islam mit dem Parsismus paktiert. Die Folge der Formenbildung aber und des Einströmens fremder

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