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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1912-01-01 · 1/2 (Januar/Februar 1912) · p. Seite 9

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
24 (1912)
Issue
1/2 (Januar/Februar 1912)
Date
1912-01-01
Page
Seite 9 (sequence 12)
Language
German
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9 vertriebene Juden zu. Das Geld war sehr teuer. 10—12 o/0" waren der Durchschnitt, 15—20 o/0 keine Seltenheit, ja zu gewissen Zeiten mußten sogar 50 o/o (gezahlt werden. Dazu kam der Warenwucher und die Abhängigkeit des Landwirtes beim Verkauf der Waren vom Gläubiger.“ Aus diesem Grunde mußten "die Deutschen sich eigene 'Spar-* und Darlehens vereine schaffen. Diese Behauptung, daß wuchertreibende Juden an dem mangelnden Wohlstand der Deutschen in Galizien schuld seien, ist, wie wir in folgendem nachweisen wollen, durchaus nicht stichhaltig und bedarf vor allem deswegen der Widerlegung, weil sie von einem Manne geäußert worden ist, von dem man eine genaue Kenntnis der tatsächlichen Verhältnisse hätte er-, warten dürfen. Zunächst bedarf die Angabe über die Größe der jüdischen Bevölkerung in Galizien und die Zahl der im Zwischenhandel1 und Darlehensgeschäft tätigen jüdischen Personen der Richtigstellung. Nach der Volkszählung von 1900 lebten in Galizien 811.183 Juden 11.09 °/o der Gesamtbevölkerung, darunter berufstätige im engeren Sinne 243.723. Hiervon waren jm' Warenhandel nur 69.398 und im Geldhandel und Versicherungsgeschäft 1379 im engeren und eigentlichen Sinne berufstätig, d. h. von 100 berufstätigen Juden beschäftigten sich 28,4 mit Warenhandel, und 0,56 mit Geldhandel und Versicherungsgeschäft-. Greift man nur die Selbständigen heraus, die in erster Linie in Frage kommen, so sinkt die Ziffer noch mehr herab]. Die Zahl der selbständigen Juden im Warenhandel belief sich auf nur 47.056, im Geldhandel und Versicherungsgeschäft auf nur 291. Ein Blick auf die Berufsstatistik hätte dem Verfasser demnach sagen müssen, daß gar nicht die Rede davon sein könne, daß die Juden überwiegend vom Zwischen-, handel und Darlehensgeschäft leben. 48.998 Juden sind in der Landwirtschaft und 73.206 in der Industrie tätig. Unter der Gesamtzahl der berufstätigen Bevölkerung Galiziens, die sich auf 3,778.591 bezifferte, machen die im Warenhandel beschäftigten Juden nur 1,83 o/o, die im ’Geldharidel und Versicherungsgeschäft 'tätigen nur 0,3 °/o aus. Weit schärfer ist die Behauptung, daß] die Juden, welche vom Geld- und Warenhandel leben, Wucherer seien, zurückzuweisen, denn sie entbehrt vollkommen des Beweises. Die Beschuldigung, daß die Juden Geld- und Warenwucher treiben, ist nicht neu; sie ist bereits öfter erhoben und immer wieder als unwahr zurückgewiesen worden, so daß man sich eigentlich wundern muß, sie wiederum auftauchen zu sehen. Galizien ist bekanntlich ein wirtschaftlich gering entwickeltes, armes Land, in dem bei dem Mangel an Bargeld und

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