Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 24 (1912)
- Issue
- 1/2 (Januar/Februar 1912)
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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7 soll. Man wird uns schon verzeihen, wenn wir uns gestatten, zu bemerken: Der dem Herrn Wortführer zuteil gewordene Religionsunterricht muß, auch von der ihm widerwärtigen Sprache abgesehen, ein sehr mangelhafter gewesen sein, sonst hätte ihm die ethische Beideutung des Augenblickes, in dem seine religiöse Mündigkeit ihre Weihe erhalten, bekannt sein müssen. , . Bei seiner Trauung hat der Rabbiner, der sie vorgenommen, nicht seine Schuldigkeit getan. Unkundigen ist die Trauungsiformel zu übersetzen ünd zu erklären. Die sieben Worte, aus denen sie besteht, sagen über die Heiligkeit der Ehe so viel Schönes, Erhabenes und Wahres, daß sie für den, der sie bei der Aeußerung unter dem Trauhimmel wirklich versteht, eine erhebende Erinnerung für im'mer bleiben. Leute, die ihren lieben Kleinen den Teufel austreiben lassen, obwohl sie an einen solchen selbst nie geglaubt und sich entsetzen würden, wenn der Glaube an ihn in den Herzen der Kinder irgend Wurzel fassen würde, Väter und Mütter, die es über sich bringen, ihre Sprößlinge einer Religion zuzuführen, 'die ihrem eigenen Denken und Fühlen fern ist und bleibt, verdienen keinen Glauben. — Das außerhalb ,aller religiösen Sphären gelegene Interesse würde sie sicher auch dann bestimmen, den Kindern christlichen Religionsunterricht erteilen zu lassen, wenn mit ihm Erlernen des Hebräischen verbunden wäre und der jüdische ausschließlich im Deutschen erteilt würde. Was Leute, die isich für; konfessionslos erklärt haben, wirklich „ehrlicherweise“ zu bekennen vermögen, ist, daß sie Atheisten geworden, daß ihr Austritt den ersten Schritt zum Eintritt in eine andere Konfession bedeutet, oder, was zumeist zutrifft, daß es ihnen darum zu tun, Kultussteuern zu ersparen; die Behauptung, daß sie die ihnen unverständlichen hebräischen Gebete zu dem Schritte bewogen, mag aufgestellt werden, man müßte aber sehr naiv sein, daran zu glauben. Es sind ja Gebetbücher mit gut deutscher Uebersetzung sehr leicht zu beschaffen, und ist niemandem verwehrt, seine Gebete, auch im Tempel, in deutscher Sprache zu verrichten. Uns will es überhaupt scheinen, daß das Beten bei solchen Leuten vor wie nach der;Austrittserklärung nicht häufiger vorkommt, als1 das Tainfceln der Lahmen. Allerdings ist dem Herrn Wortführer ein Licht aufgegangen, von dem, vor ihm, kein Sterblicher auch nur einen Schimmer erblickt hat; er belehrt uns: „Formell können ja schließlich heute Eltern ihre Kinder dem hebräischen Religionsunterricht dadurch entziehen, indem sie die Kinder für die Zeit vom sechsten bis vierzehnten Lebensjahre dem milde geleiteten evangelischen Religionsunterrichte